Wechseljahre und Mundgesundheit

Wechseljahre und Mundgesundheit

Hormonumstellung in den Wechseljahren verändert nicht nur Körper und Gefühle, sondern auch Ihre Mundgesundheit drastisch. Was Frauen wissen sollten.

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Zusammenfassung
Die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre hat einen erheblichen Einfluss auf die Mundgesundheit und kann Probleme wie Mundtrockenheit und Zahnfleischentzündungen hervorrufen. 96% der Frauen im Alter zwischen 35 und 65, die befragt wurden, stellten während der Wechseljahre Mundprobleme fest, häufig ohne zu wissen, dass dies zusammenhängt. Der Rückgang von Östrogen und Progesteron macht das Zahnfleisch empfindlicher und verringert den Speichelfluss, wodurch die Gefahr von Karies steigt. 
Regelmäßige Zahnarztbesuche sind in der Wechseljahresphase von besonderer Bedeutung. Außerdem sollte Fluorid verwendet werden und eine gründliche Mundhygiene ist unerlässlich. Eine gesunde Ernährung und Veränderungen der Mundpflegeroutine können die Mundgesundheit in der Menopause unterstützen.

Bei Wechseljahren denken die meisten Frauen an Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Doch wussten Sie, dass die hormonelle Umstellung auch Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch gefährdet? Die Wechseljahre und die dadurch bedingte hormonelle Umstellung haben erhebliche Auswirkungen auf die Mundgesundheit. Was oft zu wenig bekannt ist.

Umfragen zeigen: 96 Prozent von 2.050 befragten Frauen zwischen 35 und 65 Jahren bemerkten Probleme im Mundraum während der Wechseljahre (Klimakterium). Erstaunlich ist, dass drei Viertel dieser Frauen den Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen nicht kannten1TePe/YouGov Befragung Dezember 2024/Basis = 2.050 Frauen zwischen 35 und 65 Jahren. Der mangelnde Kenntnisstand verdeutlicht, wie wichtig Aufklärung zu diesem Thema ist.

75% der Frauen wissen nicht, dass die Wechseljahre frappierende Auswirkungen auf die Zahn- und Mundgesundheit haben!

TePe/YouGov Befragung Dezember 2024

Was passiert in Ihrem Mund während der Wechseljahre?

Der Rückgang der Östrogen- und Progesteronwerte in den Wechseljahren hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit Ihrer Zähne und Ihres Zahnfleisches. Nicht nur auf den Knochenstoffwechsel haben diese Hormone Auswirkungen; auch Speichelfluss, Immunabwehr und Regenerationsfähigkeit der Mundgewebe werden von ihnen beeinflusst2Jacob LE, Krishnan M, Mathew A, Mathew AL, Baby TK, Krishnan A. Xerostomia – A Comprehensive Review with a Focus on Mid-Life Health. J Midlife Health. 2022 Apr-Jun;13(2):100-106. doi: 10.4103/jmh.jmh_91_21. Epub 2022 Sep 16. PMID: 36276621; PMCID: PMC9583374.. Östrogen hat eine besondere Funktion. Östrogenrezeptoren sind in Ihrer Mundschleimhaut vorhanden3Sen S, Sen S, Dutta A, Abhinandan, Kumar V, Singh AK. Oral manifestation and its management in postmenopausal women: an integrated review. Prz Menopauzalny. 2020 Jul;19(2):101-103. doi: 10.5114/pm.2020.97867. Epub 2020 Jul 13. PMID: 32802020; PMCID: PMC7422290.. Wenn der Hormonspiegel sinkt, verändert sich die Durchblutung der Schleimhäute. Die Konsequenz: Ihre Schleimhäute werden weniger gut durchblutet, empfindlicher und trockener4Ciesielska A, Kusiak A, Ossowska A, Grzybowska ME. Changes in the Oral Cavity in Menopausal Women-A Narrative Review. Int J Environ Res Public Health. 2021 Dec 27;19(1):253. doi: 10.3390/ijerph19010253. PMID: 35010513; PMCID: PMC8750983..

Frauen berichten in den Wechseljahren von verschiedenen Beschwerden im Mundbereich:

  • Mundtrockenheit: Betrifft jede dritte Frau über 50 Jahre
  • Empfindliche Schleimhäute: Brennen und Schmerzen
  • Häufigeres Zahnfleischbluten
  • Zahnfleischentzündungen
  • Veränderter Geschmackssinn: Oft mehr Verlangen nach Süßem
SymptomVor den WechseljahrenWährend der Wechseljahre
Mundtrockenheit11%32%
Reduzierter Speichelfluss3,8%17,2%
Zahnfleischprobleme27%45%
Parodontitis19,5%33,1%

Warum ist ein trockener Mund so problematisch?

Speichel fungiert als Ihr natürlicher Verteidiger gegen Karies und Infektionen. Er neutralisiert Säuren, entfernt Bakterien und sorgt für die Remineralisierung des Zahnschmelzes5Ruhl S. Speichel. Zahnmedizin up2date 2025 (2):115–140.. Bei einem reduzierten Speichelfluss ist dieser Schutz nicht vorhanden. Die Konsequenz: Das Risiko für Karies, Infektionen und Pilzkrankheiten nimmt zu. Weil nicht genug Östrogen vorhanden ist, kommt es außerdem zu einem Abbau der Kieferknochen. So steigt das Risiko, dass Zähne sich lockern oder verloren gehen. Studien belegen, dass bei Frauen nach den Wechseljahren das Risiko für Parodontitis zunimmt – einer Entzündung des Zahnhalteapparates, die unbehandelt zu Zahnverlust führen kann.

Typische Symptome eines trockenen Mundes sind:

  • Klebrige oder trockene Zunge
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Kauen
  • Verstärkter Durst
  • Unangenehmer Mundgeruch
  • Vermehrte Zahnbeläge
  • Trockene, rissige Lippen
  • Zahnfleischrückgang

Was können Sie tun? Präventionsstrategien für Ihre Mundgesundheit

Eine Review im angesehenen Journal of Mid-Life Health fasst zusammen, was Frauen in den Wechseljahren für ihre Mundgesundheit tun können6 Shrivastava S. Menopause and Oral Health: Clinical Implications and Preventive Strategies. J Midlife Health. 2024 Jul-Sep;15(3):135-141. doi: 10.4103/jmh.jmh_125_24. Epub 2024 Oct 17. PMID: 39610962; PMCID: PMC11601932.:

Konsequente Mundhygiene ist entscheidend
Reinigen Sie alle Zahnflächen sorgfältig. Benutzen Sie neben der Zahnbürste auch Hilfsmittel für die Zahnzwischenräume wie Zahnseide oder Interdentalbürsten. Laut der bereits erwähnten YouGov-Umfrage begannen 25 Prozent der Frauen in den Wechseljahren mit der Nutzung von Interdentalbürsten, weitere 25 Prozent nutzten sie häufiger als zuvor7TePe/YouGov Befragung Dezember 2024/Basis = 2.050 Frauen zwischen 35 und 65 Jahren.

Regelmäßige Zahnarztbesuche
Lassen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal jährlich kontrollieren und professionell reinigen. Informieren Sie Ihren Zahnarzt über Ihre Wechseljahresbeschwerden.

Fluoridanwendung
Fluorid stärkt den Zahnschmelz und fördert die Remineralisation. Verwenden Sie fluoridhaltige Zahnpasta. Bei erhöhtem Kariesrisiko empfehlen Experten hochfluoridierte Zahnpasta (5.000 ppm)8https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/news/zahnmedizin/alterszahnmedizin/alterszahnmedizin-mit-hochdosiertem-fluorid-gegen-erhoehtes-kariesrisiko. [abgerufen am 14.02.2026].

Kalzium und Vitamin D
Diese Nährstoffe sind wichtig für Ihre Knochendichte – auch im Kiefer. Eine ausreichende Versorgung kann helfen, den Knochenabbau zu verlangsamen9https://www.doccheck.com/de/detail/articles/48450-dauerbaustelle-knochen-vitamin-d-kalzium-und-das-frakturrisiko. abgerufen am 14.02.2026]..

Gegen Mundtrockenheit
Trinken Sie ausreichend Wasser. Zuckerfreie Kaugummis oder Lutschbonbons regen den Speichelfluss an. Bei starker Mundtrockenheit können Speichelersatzmittel wie Gele, Sprays oder Mundspülungen helfen10https://www.zm-online.de/artikel/2003/pruefende-blicke/speichelersatzmittel-zur-behandlung-der-hyposalivation. [abgerufen am 14.02.2026].

Spezielle Pflege für empfindliches Zahnfleisch

Wenn Ihr Zahnfleisch in den Wechseljahren empfindlicher reagiert, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste, die Ihr Zahnfleisch nicht reizt
  • Nutzen Sie spezielle Zahnpasta für empfindliches Zahnfleisch
  • Vermeiden Sie alkoholhaltige Mundspülungen, die die Schleimhäute zusätzlich austrocknen
  • Verzichten Sie auf Zahnpasten mit Natriumlaurylsulfat oder scharfen Minzaromen
  • Achten Sie auf eine antientzündliche Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, viel Gemüse und Beeren

Eine gesunde Ernährung spielt überhaupt eine wichtige Rolle. Reduzieren Sie süße und saure Speisen und Getränke. Nehmen Sie diese am besten nur zu den Hauptmahlzeiten zu sich.

Der ganzheitliche Ansatz

Studien belegen, dass sich die Lebensqualität von Frauen in den Wechseljahren durch einen interdisziplinären Ansatz erheblich verbessert11Shrivastava S. Menopause and Oral Health: Clinical Implications and Preventive Strategies. J Midlife Health. 2024 Jul-Sep;15(3):135-141. doi: 10.4103/jmh.jmh_125_24. Epub 2024 Oct 17. PMID: 39610962; PMCID: PMC11601932.. Reden Sie mit Ihrem Hausarzt, Zahnarzt und Gynäkologen über Ihre Beschwerden. Gemeinsam können sie Ihnen dabei helfen, Ihre Mundgesundheit zu bewahren. Frauen, die ihre Mundpflege an ihre veränderten Bedürfnisse angepasst haben, berichten von erheblichen Verbesserungen. Einige Arzneimittel können die Mundtrockenheit verschlimmern, darunter Antidepressiva, Diuretika, Benzodiazepine und Blutdrucksenker12https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2017-11/amts-mundtrockenheit-als-nebenwirkung-erkennen-und-behandeln. [abgerufen am 15.02.2026],. Falls Sie stark an Mundtrockenheit leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.

Fazit: Nehmen Sie Ihre Mundgesundheit selbst in die Hand

In der Zeit der Wechseljahre ist es für Sie besonders herausfordernd, auf Ihre Mundgesundheit zu achten. Allerdings können Sie mit dem passenden Wissen und zielgerichteten Maßnahmen entgegenwirken. Beobachten Sie Veränderungen in Ihrem Mund und scheuen Sie sich nicht, auf Fachleute zuzugehen. Die positive Nachricht: Ihre Zahn- und Zahnfleischgesundheit lässt sich während der Wechseljahre durch eine angepasste Mundpflege bewahren. Das verbessert nicht nur Ihre Mundgesundheit, sondern auch Ihr allgemeines Wohlbefinden.

zpl, Teaserfoto: Adobe KI-generiert

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Literatur/Anmerkungen

  • 1
    TePe/YouGov Befragung Dezember 2024/Basis = 2.050 Frauen zwischen 35 und 65 Jahren
  • 2
    Jacob LE, Krishnan M, Mathew A, Mathew AL, Baby TK, Krishnan A. Xerostomia – A Comprehensive Review with a Focus on Mid-Life Health. J Midlife Health. 2022 Apr-Jun;13(2):100-106. doi: 10.4103/jmh.jmh_91_21. Epub 2022 Sep 16. PMID: 36276621; PMCID: PMC9583374.
  • 3
    Sen S, Sen S, Dutta A, Abhinandan, Kumar V, Singh AK. Oral manifestation and its management in postmenopausal women: an integrated review. Prz Menopauzalny. 2020 Jul;19(2):101-103. doi: 10.5114/pm.2020.97867. Epub 2020 Jul 13. PMID: 32802020; PMCID: PMC7422290.
  • 4
    Ciesielska A, Kusiak A, Ossowska A, Grzybowska ME. Changes in the Oral Cavity in Menopausal Women-A Narrative Review. Int J Environ Res Public Health. 2021 Dec 27;19(1):253. doi: 10.3390/ijerph19010253. PMID: 35010513; PMCID: PMC8750983.
  • 5
    Ruhl S. Speichel. Zahnmedizin up2date 2025 (2):115–140.
  • 6
    Shrivastava S. Menopause and Oral Health: Clinical Implications and Preventive Strategies. J Midlife Health. 2024 Jul-Sep;15(3):135-141. doi: 10.4103/jmh.jmh_125_24. Epub 2024 Oct 17. PMID: 39610962; PMCID: PMC11601932.
  • 7
    TePe/YouGov Befragung Dezember 2024/Basis = 2.050 Frauen zwischen 35 und 65 Jahren
  • 8
    https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/news/zahnmedizin/alterszahnmedizin/alterszahnmedizin-mit-hochdosiertem-fluorid-gegen-erhoehtes-kariesrisiko. [abgerufen am 14.02.2026]
  • 9
    https://www.doccheck.com/de/detail/articles/48450-dauerbaustelle-knochen-vitamin-d-kalzium-und-das-frakturrisiko. abgerufen am 14.02.2026].
  • 10
    https://www.zm-online.de/artikel/2003/pruefende-blicke/speichelersatzmittel-zur-behandlung-der-hyposalivation. [abgerufen am 14.02.2026]
  • 11
    Shrivastava S. Menopause and Oral Health: Clinical Implications and Preventive Strategies. J Midlife Health. 2024 Jul-Sep;15(3):135-141. doi: 10.4103/jmh.jmh_125_24. Epub 2024 Oct 17. PMID: 39610962; PMCID: PMC11601932.
  • 12
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2017-11/amts-mundtrockenheit-als-nebenwirkung-erkennen-und-behandeln. [abgerufen am 15.02.2026]

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