Gesundheitskompetenz: Alarmierende Ergebnisse bei Schulkindern

Das Wissen über Gesundheit ist bei Schulkindern in Deutschland sehr gering. 84 Prozent der Kinder achten nicht auf ihre Gesundheit. Sie berichten deshalb deutlich häufiger von körperlichen Schmerzen, Traurigkeit und Einsamkeit. Das zeigt eine neue Studie: der DAK-Präventionsradar.

Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

Die Gesundheit vieler Schulkinder in Deutschland ist gefährdet. 84 Prozent der Kinder wissen zu wenig über ein gesundes Leben. Kinder mit wenig Gesundheitswissen klagen deutlich häufiger über seelische und körperliche Probleme. Sie fühlen sich öfter traurig oder allein. Das zeigt eine neue Studie der DAK-Krankenkasse. Dafür befragten Forscher im Schuljahr 2024/2025 mehr als 26.500 Schülerinnen und Schüler in 14 Bundesländern.

Junge Menschen stark belastet

Fast zwei Drittel der Schulkinder in den Klassen fünf bis zehn fühlen sich erschöpft. Ungefähr jeder sechste junge Mensch ist oft traurig. Bei Mädchen aus ärmeren Familien sind es sogar mehr als 40 Prozent. DAK-Chef Andreas Storm fordert deshalb, das Gesundheitswissen junger Menschen zu stärken. Er schlägt ein neues Schulfach Gesundheit vor. Auch das zuständige Bundesministerium will die Menschen stärker für das Thema sensibilisieren.

„Es ist erschreckend, wie stark junge Menschen psychisch belastet sind.“
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit

„Es ist erschreckend, wie wie stark junge Menschen psychisch belastet sind“, sagt DAK-Chef Andreas Storm. Unsere Studie zeigt, dass Mädchen und Jungen ohne eine ausgeprägte Gesundheitskompetenz häufiger erschöpft, traurig oder einsam sind.“ Es ist wichtig, den betroffenen Kindern und Jugendlichen schnell zu helfen. Die Schule ist ein wichtiger Ort, um Kinder zu stärken und zu schützen. Das Wissen über Gesundheit muss verbessert werden. Ein Schulfach für Gesundheit hilft Kindern, im Alltag gute Entscheidungen für ihre Zukunft zu treffen. Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend kommentiert: „Diese Zahlen rütteln auf. Wir möchten, dass sich etwas ändert. Darum stärken wir Eltern, Pädagogen und Fachkräfte, denn sie können Gesundheitskompetenz vermitteln. Darum bündeln wir gesamtgesellschaftlich alle Kräfte in einer gemeinsamen Allianz gegen Einsamkeit. Darum entwickeln wir gemeinsam eine Strategie ‚Mentale Gesundheit für junge Menschen‘ und bauen auf wirksamen Maßnahmen auf.“

Sozialstatus beeinflusst Gesundheitskompetenz

Eine Studie der DAK zeigt: 84 Prozent der Schulkinder aus den Klassen fünf bis zehn wissen nur wenig über Gesundheit. Sie übernehmen deshalb nicht genug Verantwortung für ihren Körper. Nur 16 Prozent kennen sich gut aus. Sie treffen selbst Entscheidungen für ihre Gesundheit und werden aktiv. Diese Schüler interessieren sich sehr für das Thema und wollen mehr über gesundes Essen, guten Schlaf oder Sport lernen. Der soziale Hintergrund der Familie spielt dabei eine große Rolle. Bei Schulkindern aus ärmeren Familien kennen sich nur zwölf Prozent gut mit Gesundheit aus.

65 Prozent der Schulkinder sind erschöpft

Viele der befragten Mädchen und Jungen leiden unter körperlichen und seelischen Beschwerden. 65 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft. Bei Schulkindern, die viel über Gesundheit wissen, sind es mit 55 Prozent deutlich weniger. Fast ein Drittel der Schülerinnen und Schüler schläft mehrmals pro Woche schlecht und etwa jeder Sechste hat Kopfschmerzen. Kinder und Jugendliche mit viel Wissen über Gesundheit berichten seltener von solchen Problemen.

Depressive Symptome und Einsamkeit: Mädchen stark belastet

Besonders die Situation der Mädchen ist bedenklich. Mehr als ein Viertel von ihnen zeigt im Schuljahr 2024/2025 Anzeichen für eine Depression. Sie sind oft niedergeschlagen oder weinen häufig. Das betrifft Mädchen mit 27 Prozent fast viermal so oft wie Jungen mit sieben Prozent. Das ist für Mädchen der höchste Wert seit Jahren und sogar etwas höher als während der Corona-Pandemie.

Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren aus Familien mit niedrigem Sozialstatus sind am häufigsten betroffen. 43 Prozent von ihnen geben an, oft traurig zu sein. Bei Kindern und Jugendlichen, die wenig über Gesundheit wissen, zeigen 18 Prozent solche Anzeichen. Das ist die Hälfte mehr als bei denen, die sich gut auskennen (12 Prozent).

Auch Einsamkeit ist vor allem für Mädchen ein großes Problem. 41 Prozent der Schülerinnen fühlen sich oft allein, als hätten sie keine Freunde. Bei den Jungen sind es im Vergleich 25 Prozent. Hier hilft Wissen über Gesundheit ebenfalls: Junge Menschen, die sich gut auskennen, fühlen sich seltener einsam als ihre Mitschüler (28 Prozent im Vergleich zu 34 Prozent).

Ergebnisse sind frühe Warnsignale

„Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen eine signifikante Belastung von Kindern und Jugendlichen durch emotionale Probleme und depressive Symptome“, erklärt Professor Reiner Hanewinkel. Er leitet die Studie für die DAK. Die Probleme sind frühe Warnsignale für Überforderung, Stress oder psychische Erkrankungen, die noch niemand erkannt hat. Laut Professor Hanewinkel ist Wissen über Gesundheit eine wichtige Grundlage, um mit seelischen und körperlichen Problemen gut umzugehen. Kinder und Jugendliche brauchen die Motivation und die Fähigkeit, gesund zu leben und selbst auf sich zu achten. Hanewinkel sagt: „Gesundheitskompetenz ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung junger Menschen – fehlt er, steigt das Risiko für langfristige gesundheitliche Probleme. Die Schule spielt dabei eine zentrale Rolle, denn als alltäglicher Lebens- und Lernort bietet sie zahlreiche Gelegenheiten, Gesundheitskompetenz frühzeitig zu fördern.“

Hintergrund
Der DAK-Präventionsradar ist eine große Schulstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Zwischen November 2024 und Februar 2025 nahmen 26.586 Schülerinnen und Schüler aus 1.712 Klassen teil. Die Online-Befragung fand direkt in der Schule statt. Sie sammelte Daten zum Wissen über Gesundheit, zum Verhalten, zur seelischen Belastung und zum sozialen Umfeld der Kinder.

zpl, Teaserfoto: Adobe KI-generiert

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