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Kein Titandioxid mehr in Zahnpasten?

Titandioxid ist in Lebensmitteln, aber auch in Zahnpasten enthalten. Wird es bald in der EU verboten?

Lesedauer: 3 Minuten

Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Titandioxid als nicht sicher ein

Man findet es in Suppen, in Salatsoßen, im Käse, als weißer Überzug auf Tabletten, in Waschmittel, aber auch in Zahnpasten. Die Rede ist von Titandioxid (TiO2) , das in der Europäischen Union (EU) seit Jahrzehnten als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen ist. In der Zutatenliste wird es mit der E-Nummer E171 ausgewiesen. Nach Auswertung von fast 12.000 Publikationen haben Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Farbstoff als nicht sicher für den menschlichen Verzehr eingestuft.

Unter Berücksichtigung aller verfügbaren wissenschaftlichen Studien und Daten kam das Gremium zu dem Schluss, dass Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher angesehen werden kann.”

Maged Younes, EFSA-Sachverständiger (Quelle)

Zulassungsstopp als Lebensmittelzusatzstoff gefordert

Laut EFSA besteht zwar keine unmittelbare Gesundheitsgefahr, aber der Verdacht bezüglich einer erbgutschädlichen Wirkung (Genotoxizität) konnte nicht ausgeräumt werden. Damit nimmt die EFSA ihre Aussage aus dem Jahr 2016 zurück; denn damals stellte die EFSA fest, dass keine Bedenken bezüglich erbgutschädigender Wirkungen bestünden. Bei der Auswertung berücksichtigten die Experten erstmals, dass Titandioxid im Lebensmittelbereich bis zu 50 Prozent Nanopartikel aufweisen kann. Nanopartikel sind besonders kleine Titandioxidteilchen, die in der Kritik stehen, möglicherweise Krebs auslösen zu können.

TITANDIOXIDPRODUKTION WELTWEIT
Weltweit werden etwa sechs Millionen Tonnen Titandioxid im Jahr hergestellt. 98% der Produktion werden zu Farbpigment verarbeitet.
In Deutschland produzieren drei Hersteller an fünf verschiedenen Standorten überwiegend dieses pigmentäre Titandioxid. Deutschland ist weltweit nach den USA und China der drittgrößte Hersteller mit Produktionskapazitäten von über 480.000 Tonnen. Mehr als die Hälfte der gesamten Produktionsmenge findet in Farben und Lacken Verwendung.
(Forum Titandioxid)

Seit 2020 ist in Frankreich Titandioxid in Lebensmitteln verboten (Quelle). Auch Foodwatch forderte schon vor Jahren ein Verbot des Weißmachers in Lebensmitteln. Aufgrund der neuen Bewertung durch die EFSA fordert Bundesernährungsministerin Julia Klöckner einen EU-weiten Zulassungsstopp des Farbstoffs Titandioxid.

„Im Sinne des Vorsorgeprinzips muss die EU-weit geltende Zulassung für Titandioxid daher zurückgenommen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass der Lebensmittelzusatzstoff erbgutschädigend wirkt.“

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

EU prüft Verbot

Mit seiner eigenen Schlussfolgerung schließt sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) der EFSA an. Ergänzend stellt das BfR allerdings fest: „Grundsätzlich gilt, dass in vielen Lebensmitteln Inhaltsstoffe mit genotoxischem Potenzial enthalten sind. Diese sind sehr häufig auch natürlichen Ursprungs und unvermeidbar in der täglichen Ernährung. Für einige genotoxische Substanzen in Lebensmitteln liegen Erkenntnisse zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Menschen vor. Bei Titandioxid ist dieser Zusammenhang durch Humanstudien bislang nicht belegt. Allerdings werden an Zusatzstoffe besondere gesundheitliche Anforderungen gestellt. Diese werden streng geprüft und reguliert.“

Bereits kurz nach Veröffentlichung der EFSA-Bewertung kündigte die Europäische Kommission an, ein Verbot von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff in der EU zu prüfen.

Titandioxid auch in Zahnpasten. Aber nicht in allen

In vielen Zahnpasten, auch in Kinderzahnpasten, ist Titandioxid enthalten. Zwar wären Zahnpasten nicht von einem EU-weiten Verbot von Titandioxid betroffen; denn ein Verbot dürfte sich zunächst nur auf die Zugabe von Titandioxid in Lebensmitteln beziehen. Dessen ungeachtet wollen einige Hersteller von Zahncremes schrittweise auf die Verwendung des Weißpigments Titandioxid, auf der Zutatenliste oft als CI 77891 bezeichnet, in ihren Rezepturen verzichten.

Andere Produzenten verwenden schon jetzt kein Titandioxid. Was möglich ist, da das Farbpigment keine funktionale Bedeutung hat. Es dient lediglich dazu, dem Zahnpasten-Strang ein strahlendes Weiß zu verleihen. Wer auf das Farbpigment verzichten will, kann schon jetzt aus dem breiten Angebot eine Zahnpasta ohne Titandioxid wählen. Ein Blick auf die Zutatenliste ist dann jedoch unverzichtbar.

(zpl, Teaserfoto: Photo by 莎莉 彭 on Unsplash)

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