Cranberrysaft gegen Karies? Das sagt die Studie

Cranberrysaft könnte das Wachstum und die Säureproduktion von Kariesbakterien in der dentalen Plaque beeinflussen. Eine kleine randomisierte Studie liefert Hinweise darauf, dass insbesondere reiner, ungesüßter Cranberrysaft die Stoffwechselaktivität der Plaquebakterien kurzfristig hemmen kann. Für ein gezuckertes Cranberrygetränk ließ sich dieser Effekt hingegen nicht nachweisen.

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Zusammenfassung
Eine Studie der University of Illinois Chicago zeigt, dass reiner, ungesüßter Cranberrysaft das Wachstum und die Säureproduktion von kariesverursachenden Plaquebakterien kurzfristig reduzieren kann. Bei Erwachsenen verringerte sich das Bakterienwachstum um durchschnittlich 43,9 Prozent, bei Kindern um 33 Prozent. Für ein gezuckertes Cranberrygetränk konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden. Allerdings ist Cranberrysaft aufgrund seines niedrigen pH-Wertes stark sauer und kann bei häufigem Konsum den Zahnschmelz angreifen. Aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl und der kurzen Untersuchungsdauer lassen sich keine Aussagen über eine langfristige Kariesprävention treffen. Cranberrysaft ist daher kein Ersatz für bewährte Maßnahmen der Mundhygiene.

Wie beeinflusst Cranberrysaft die Mundbakterien?

Forschende der University of Illinois Chicago1Wu, C.D., Li, W., Luu, M. et al. In vivo exposure to cranberry juice suppresses dental plaque regrowth and acid production in adults and children: a PGRM study. Sci Rep 16, 28663 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-56025-3 haben untersucht, welchen Einfluss Cranberrysaft auf das Wachstum und die Säureproduktion von Bakterien im Zahnbelag hat. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob die Inhaltsstoffe der Cranberries die Aktivität kariogener Plaquebakterien beeinflussen können. An der randomisierten Crossover-Studie nahmen 14 Kinder und 8 Erwachsene teil. Alle Teilnehmenden testeten nacheinander drei verschiedene Getränke: reinen, ungesüßten Cranberrysaft, ein gezuckertes Cranberrygetränk mit einem Fruchtsaftanteil von 27 Prozent sowie Wasser als Kontrollgetränk. Zwischen den einzelnen Testdurchgängen lag jeweils eine dreitägige Pause.

Um die Auswirkungen der Getränke zu untersuchen, entnahmen die Forschenden zunächst Plaqueproben. Anschließend tranken die Teilnehmenden das jeweils zugeteilte Getränk in drei kleinen Portionen. Jede Portion wurde etwa 30 Sekunden im Mund behalten, bevor sie geschluckt wurde. Nach 30 Minuten wurden erneut Plaqueproben entnommen. Mithilfe der sogenannten „Plaque Glycolysis and Regrowth Method“ analysierten die Forschenden anschließend im Labor, wie stark die Bakterien Säure produzierten und wie schnell sie sich erneut vermehrten.

Reiner Cranberrysaft verringerte Bakterienwachstum und Säureproduktion

Die Ergebnisse zeigten einen Unterschied zwischen den untersuchten Getränken: Nach dem Kontakt mit reinem, ungesüßtem Cranberrysaft vermehrten sich die Plaquebakterien deutlich langsamer als zuvor. Konkret verringerte sich das erneute Bakterienwachstum bei Erwachsenen durchschnittlich um 43,9 Prozent. Bei den Kindern betrug die Reduktion 33,0 Prozent. Auch die Säureproduktion der Plaquebakterien ging nach dem Kontakt mit reinem Cranberrysaft sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen deutlich zurück. Für das gezuckerte Cranberrygetränk konnte dagegen kein vergleichbarer Effekt festgestellt werden.

Cranberrysaft ist nicht uneingeschränkt gut für die Zähne

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse ist bei der Bewertung Vorsicht geboten. Denn Cranberrysaft ist selbst stark sauer und weist einen pH-Wert von etwa 2,31 auf. Dadurch könnte ein regelmäßiger oder häufiger Konsum die Zahnhartsubstanz angreifen und das Risiko für dentale Erosionen erhöhen. Auch die Aussagekraft der Studie ist begrenzt: Mit insgesamt 22 Teilnehmenden war die Stichprobe relativ klein. Zudem untersuchten die Forschenden lediglich kurzfristige Veränderungen innerhalb von 30 Minuten nach dem Konsum. Ob Cranberrysaft bei regelmäßigem Verzehr tatsächlich das Kariesrisiko beeinflussen kann und welche Auswirkungen er langfristig auf die Zahngesundheit hat, lässt sich daraus nicht ableiten.

Fazit: Vielversprechender Ansatz, aber kein Schutz vor Karies

Die Studie liefert erste Hinweise darauf, dass reiner, ungesüßter Cranberrysaft die Stoffwechselaktivität kariogener Plaquebakterien kurzfristig reduzieren kann. Insbesondere die verringerte Säureproduktion ist aus zahnmedizinischer Sicht interessant. Allerdings steht dem möglichen antibakteriellen Effekt die hohe natürliche Säure des Getränks gegenüber. Cranberrysaft sollte daher keinesfalls als Mittel zur Kariesprophylaxe verstanden oder als Ersatz für bewährte Maßnahmen der Mundhygiene empfohlen werden. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob sich die beobachteten Effekte langfristig bestätigen lassen und ob sich daraus tatsächlich ein Nutzen für die Zahngesundheit ergibt.

zpl, Teaserfoto: Adobe KI-generiert

Literatur/Anmerkungen

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