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Zahnpflege auf höchstem Niveau


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Kleine Geschichte der Zahnseide.

Zahnseide ist keine neue Erfindung. Bereits 1819 empfahl ein amerikanischer Zahnarzt ihre regelmäßige Verwendung.

Bereits 1819 erste Erwähnung der Zahnseide

Zwar könnten typische Rillen an den Zähnen archäologischer Gebissbefunde ein Hinweis sein, dass bereits unsere prähistorischen Vorfahren ihre Zahnzwischenräume mit Haaren, Grashalmen oder ähnlichen Materialien gereinigt haben.

Schon unsere prähistorischen Vorfahren reinigten ihre Zahnzwischenräume

Die eigentliche Erfindung der Zahnseide wird jedoch in den meisten Quellen dem amerikanischen Zahnarzt Levi Spear Parmly (1790–1859) zugeschrieben. In seinem 1819 veröffentlichten Buch „A Practical Guide to Management of the Teeth“ empfahl er seinen Patienten, die Zahnzwischenräume mit Hilfe eines ungezwirnten Fadens aus Seide zu reinigen.​1​

„The third part is the waxed silken thread, which, though simple, is the most important. It is to be passed through the interstices of the teeth, between their necks and the arches of the gums, to dislodge that irritating matter which no brush can remove, and which is the real source of disease. With this apparatus, thus regularly and daily used, the teeth and gums will be preserved free from disease …“

(„Das wichtigste Mittel, wenn auch ein sehr einfaches, ist, einen gewachsten Seidenfaden durch die Zahnzwischenräume die Zahnhälse und –bögen laufen zu lassen, um die störenden Substanzen zu entfernen, die kein Pinsel zu beseitigen vermag und die eigentliche Quelle jeder Krankheit der Zähne ist. Die tägliche Anwendung wird dazu führen, dass die Zähne und das Zahnfleisch resistent gegen Krankheiten bleiben …“)

Levi Spear Parmly

Ähnliche Empfehlungen, wenngleich etwas später, gab es auch im Alten Kontinent. Bereits 1825 riet der Magdeburger Zahnarzt J. M. Scholand dazu, zwischen den Zähnen festsitzende Fleischfasern mit einem Seidenfaden zu entfernen.​2​ Echte Zahnseide war jedoch zunächst nicht verfügbar.

Johnson & Johnson bringt erschwingliche Zahnseide auf den Markt

Zwar wurde Asahel M. Shurtleff bereits 1874 das erste Patent für Zahnseide erteilt, aber Shurtleffs Firma, die Codman & Shurtleff Company aus Randolph im US-Bundesstaat Massachusetts, brachte erst 1882 ungewachster Zahnseide in den Handel. Ein Grund für diese Verzögerung war die zu dieser Zeit noch sehr viel gebräuchlichere Verwendung von Zahnstochern oder Zahnhölzern. So hatte der Schriftsteller Charles Dickens (1812–1870), Autor von Romanen wie „Oliver Twist“ und „David Copperfield“, auf seinen Reisen immer einen aus kostbaren Elfenbein und Gold gefertigten Zahnstocher im Gepäck.​3​

Das amerikanische Unternehmen Johnson & Johnson aus New Jersey stellte ab 1898 eine durch Patent geschützte Zahnseide aus chirurgischer Seide her. Also aus einer Seide, die Ärzte für Nähte verwendeten. Was den Vorteil hatte, dass diese Zahnseide relativ kostengünstig produziert werden konnte, da bei der Herstellung der chirurgischen Seide produktionsbedingt überschüssige Seide übrigblieb. Diese „Reste“ konnten nun zu Zahnseide weiterverarbeitet werden. So entstand die erste erschwingliche Zahnseide. Sie kostete nur einen Bruchteil des Stundenlohns eines Arbeiters.​4​

Johnson & Johnson Zahnseidebehälter "Brunswick Dental Floss" . Photograph, 2017. Science History Institute. Philadelphia.
Johnson & Johnson Zahnseidebehälter „Brunswick Dental Floss“ . Photograph, 2017. Science History Institute. Philadelphia.

Verkauft wurde die Zahnseide in 12- und 24-Yard-Spulen, die in zylindrischen Metallbehältern steckten. Die Behälter hatten eine eingebaute Schneidvorrichtung zum Abtrennen der jeweils benötigten Zahnseide. Erst Jahre später ersetzte Johnson & Johnson diese Metalldosen durch Glasbehälter mit einem Metalldeckel. Um den Verkauf der Seide anzuregen bewarb Johnson & Johnson das Produkt in Apotheken und Drogerien mit Displays auf den Verkaufstresen und mit großformatige Anzeigen in Zeitungen.

Zeitungsanzeige der Firma Johnson & Johnson. Zahnseide in Glasbehältern mit Schneidevorrichtung
Zeitungsanzeige der Firma Johnson & Johnson. Zahnseide in Glasbehältern mit Schneidevorrichtung

Andere Firmen, beispielsweise Salter Silk Co. („Salter’s Aseptic Dental Floss“) oder die Nonotuck Silk Company​5​ („Corticelli Dental Floss“) zogen mit vergleichbaren Zahnseide-Produkten nach.

Flossy-Zahnseidehalter „All-in-One“ – Zahnseidespender und Zahnseidehalter

Zahnseide erreicht den Südpol

1928 startete Admiral Byrd zu seiner legendären Antarktisexpedition (1928-1930). Vom Basislager Little America auf dem Ross-Schelfeis unternahme der Forscher mit seiner dreimotorigen Floyd Bennett den ersten erfolgreichen Flug zur Umrundung des Südpols. Die Expedition sorgte weltweit für Aufsehen, da sie mit dem Flugzeug durchgeführt worden war. Außerdem berichtete ein Reporter der New York Times regelmäßig live vom Expeditionsgeschehen. Es war die größte und am besten ausgestattete Expedition, die jemals zur Entdeckung dieses Kontinents aufgebrochen war. Selbst Zahnseide von Johnson & Johnson gehörte zur Austattung.

Auf der Antarktisexpedition von Admiral Byrd (1928-1930) gehörte Zahnseide von Johnson & Johnson zur Ausrüstung

Erst Nylon eröffnete den Siegeszug der Zahnseide

Zwar gab es Zahnmediziner wie die österreichischen Zahnärzte Bernhard Gottlieb und Balint Orban, die davon ausgingen, Zahnseide sei „nur bei relativ komplizierten Verhältnissen notwendig, wie dies bei Brücken, Bügeln oder ähnlichen Fällen zutrifft.“​6​ Hingegen schrieb der Bonner Zahnmediziner Alfred Kantorowicz (1880-1962) in seinem 1930 erschienenen „Handwörterbuch der gesamten Zahnheilkunde“: ​7​

„Eine ähnliche Aufgabe wie der Zahnstocher erfüllt der Faden, der heute unter dem Namen Zahntante in ganz ansprechender Verpackung und bequem anwendbar in den Handel gebracht wird. Er ist ganz ausgezeichnet zur Reinigung der Zahnzwischenräume“. ​​

Alfred Kantorowicz

Selbst in der Literatur wurde Zahnseide seit dem frühen 20. Jahrhundert erwähnt, bspw. in James Joyces Roman Ulysses.​8​

„Er zog eine Rolle Zahnseide aus seiner Westentasche, riss einen Faden ab und ließ ihn geschickt zwischen zwei- und zweien seiner widerklingenden ungeputzten Zähne sirren.“

James Joyces im ROMAN Ulysses

Dennoch war Zahnseide und das Fädeln der Zahnzwischenräume vor dem Zweiten Weltkrieg in der Bevölkerung nicht weit verbreitet. Das änderte sich erst kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als der amerikanische Arzt und Tropenmediziner Charles Cassedy Bass (1875–1975), bekannt als „Vater der vorbeugenden Zahnheilkunde“, die bis dahin verwendete natürliche Seide durch einen reißfesteren und elastischeren Nylonfaden ersetzte. Auslöser zur Verwendung von Nylon war der durch den Krieg bedingte Mangel an vielen Materialien, einschließlich der Seide.

Gewachst, ungewachst, Mint-Aroma, Teflonbeschichtung. Alles ist möglich

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten ging die Entwicklung rasant weiter. So findet man heutzutage in den Regalen der Drogerien nicht nur Zahnseide, sondern auch flache Zahnbänder, sogenannte Tapes, oder verdickte Zahnseide, die die Reinigung von breiten Zahnzwischenräumen oder unter Brücken erleichtert. Bereits 1963 ließ sich James B. Kirby den ersten Zahnseidestick (Floss Pick), der gleichzeitig als Zahnstocher und Zahnseide dient, patentieren. Zahnseidehalter, in denen teilweise die Zahnseide bereits integriert ist, erleichtern die Handhabung der Zahnseide.

Zahnseidehalter mit integrierter Zahnseide
Zahnseidehalter erleichtern die Verwendung

Und auch bei den Beschichtungen hat sich viel getan. Neben Wachs kann die Zahnseide zum leichteren Gleiten in die Zahnzwischenräume mit Teflon oder Gore-Tex beschichtet sein. Zusätze wie Fluorid oder Chlorhexidin sollen den Zahnschmelz vor Karies oder Zahnfleischentzündungen schützen. Aromen wie Mint dienen lediglich dem Geschmack.

(zpl, Foto: zahnputzladen.de)

Literatur

  1. 1.
    Parmly L. A Practical Guide to the Management of the Teeth. Collins & Croft; 1819.
  2. 2.
    Ludwig R. Die Zahnpflege in Der Diätetischen Literatur Des 18. Und Beginnenden 19. Jahrhunderts. Med. Fak. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität; 1964.
  3. 3.
    Charles Dickens’ ivory toothpick sells at auction for £7,000. Mail Online. Published September 16, 2009. Accessed November 20, 2020. https://www.dailymail.co.uk/news/article-1236362/Charles-Dickens-ivory-toothpick-sells-auction-7-000.html
  4. 4.
    Dental Floss. Firmengeschichte. Accessed November 14, 2020. https://ourstory.jnj.com/dental-floss
  5. 5.
    Field J, Senechal M, Shaw M. American Silk 1830-1930: Entrepreneurs and Artifacts. Texas University Press; 2007.
  6. 6.
    Gottlieb B, Orban B. Zahnfleischentzündung Und Zahnlockerung. Berlinische Verlagsanstalt; 1933.
  7. 7.
    Kantorowicz A. Handwörterbuch Der Gesamten Zahnheilkunde. Vol 2. Johann Ambrosius Barth; 1930.
  8. 8.
    Joyce J. Ulysses. Suhrkamp Verlag ; 1996.

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