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Zahnpflege auf höchstem Niveau

Aktionsplan Amalgam vorgelegt.

Amalgam in Zahnfüllungen ist in der Europäischen Union die häufigste Einsatzform von Quecksilber. Seine Verwendung stellt eine erhebliche Umweltverschmutzungsquelle dar.

Durch das Minamata Übereinkommen zu Quecksilber haben sich die Vertragsstaaten, darunter auch Deutschland, zum Ziel gesetzt, die Verwendung von Amalgam schrittweise zu verringern.

Aktionsplan soll Dentalamalgam weiter einschränken

Um die Auflagen der EU-Quecksilberverordnung von 2017 zu erfüllen, hat die Bundesregierung einen Aktionsplan beschlossen, der dazu beitragen soll, die Menge an Dentalamalgam stufenweise zu reduzieren. Zwar besteht schon seit dem 1. Juli 2018 ein Verbot von Amalgam für Kinder unter 15 Jahren, Schwangere und stillende Frauen.

„Ab dem 1. Juli 2018 darf Dentalamalgam nicht mehr für die zahnärztliche Behandlung von Milchzähnen, von Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden verwendet werden, es sei denn, der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse bei dem jeweiligenPatienten als zwingend notwendig.“

Auszug aus der EU‐Richtlinie 2017, 852

Aber diese Reduzierung reicht nicht aus. Mit ihrem Aktionsplan und den darin beschriebenen Maßnahmen verfolgt die Bundesregierung daher das Ziel, „den Einsatz von Amalgam in der Zahnheilkunde weiter zu senken und auf unverzichtbare Spezialfälle zu beschränken.“ (Nationaler Aktionsplan der Bundesregierung zur schrittweisen Verringerung von Dentalamalgam)

Dank besserer Mundgesundheit weniger (Amalgam)-Füllungen

Die Vorsorge durch Maßnahmen de Gruppen- und Individualprophylaxe hat zu einer erheblichen Verbesserung der Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen und zeitlich verzögert auch bei Erwachsenen geführt. Was auch bedeutet, dass weniger Zähne Karies haben und weniger Füllungen benötigt werden. Parallel hierzu verlangen immer mehr Patientinnen und Patienten aus ästhetischen Gründen, aber auch aus Furcht vor eventuellen Gesundheitsrisiken durch Amalgam „weiße Füllungen“, also Füllungen aus Kunststoff, sogenannte Kompositfüllungen. Zudem bieten viele Zahnarztpraxen eine Behandlung mit Amalgamfüllungen gar nicht mehr an.

Alles Gründe, warum im Jahr 2013 der Anteil an Amalgam bereits weniger als zehn Prozent des Gesamtvolumens der in Deutschland verkauften Füllungsmaterialien betrug, und der Marktanteil von Amalgam im Zeitraum 1985 bis 2017 von etwa 70% auf 5% gefallen ist. Eindrucksvolle Zahlen, die zeigen, dass die moderne Zahnmedizin weitestgehend auf Amalgam verzichten kann.

Maßnahmen des Aktionsplanes

Prävention weiter stärken

Zur Vermeidung von Zahnerkrankungen soll der bereits eingeschlagene Weg eines an den Grundsätzen der Prävention und Zahnerhaltung ausgerichteten Versorgungssystems weiter verfolgt und ausgebaut werden.

Ausbildung und Schule

Die Lehrpläne der Universitäten und Fachschulen für die Ausbildung des zahnärztlichen Personals spiegeln die Anforderungen zur Reduzierung von Dentalamalgam wider.

Informationen von Patienten

Der Aktionsplan hebt hervor, dass nur informierte Patientinnen und Patienten eine Entscheidung zur Therapie treffen können. Hierzu stehen neben den Zahnarztpraxen und Beratungsstellen der Zahnärztekammern auch unabhängige Patientenberatungsstellen zur Verfügung.

Eintrag von Dentalamalgam in die Abwassersysteme minimieren

Bereits seit 1990 ist in Deutschland die Verwendung von Abscheidern zur Rückhaltung von Amalgam aus dem Abwasser von Zahnarztpraxen vorgeschrieben. Zwar ist der Gehalt von Quecksilber im Klärschlamm zugleich deutlich gesunken, mancherorts ist er aber weiterhin zu hoch. Die Bundesregierung will deshalb mit den zuständigen Behörden auf Bundes- und Landesebene prüfen, ob eine Senkung des Umwelteintrags möglich ist.

Amalgamalternativen sind für GKV-Versicherte meist teurer

Es gibt jedoch ein Problem: Auf Amalgamfüllungen zu verzichten und stattdessen Kunststofffüllungen zu wählen, ist zumindest für Erwachsene in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den meisten Fällen mit Zuzahlungen verbunden. Um die Ziele des Aktionsplanes zu erreichen, ist es daher nicht nur notwendig, die Prävention weiter zu stärken. Es müssen auch kostenfreie Amalgamalternativen im Rahmen der GKV angeboten werden.

Was schon jetzt bei GKV versicherten Kindern bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres, bei Schwangeren oder bei Stillenden möglich ist, nämlich an Karies erkrankte Zähne ohne Patientenzuzahlung mit Kompositfüllungen zu versorgen, muss künftig für alle bei AOK, Barmer und Co. Versicherte gelten. Andernfalls werden sozial schwächere Patienten, die sich Zuzahlungen von 100 EUR und mehr nicht leisten können, benachteiligt.

Hintergrund

Amalgam ist die Regelversorgung im Seitenzahnbereich. Daher fallen für Versicherte der GKV-Versicherten keine vom Versicherten zu zahlenden Eigenanteile an. Eine haltbare Alternative zu Amalgam sind Kunststofffüllungen (Kompositfüllungen) oder Keramik- bzw. Goldinlays.

Nachteil: Diese Alternativen sind teurer als Amalgamfüllungen. Die entstehenden Mehrkosten müssen daher im Rahmen der Mehrkostenvereinbarung vom Patienten bezahlt werden. Für Kunststofffüllungen fallen beispielsweise zwischen 75 und 200 Euro pro Zahn an – je nach größe der Füllung. Für ein Keramik- oder Gold-Inlay müssen sogar zwischen 500 und 800 Euro pro Inlay eingeplant werden.

Amalgam-Füllungen

Amalgam für Zahnfüllungen ist eine hoch silberhaltige Legierung aus Quecksilber und weiteren Metallen wie Silber, Kupfer und Zinn. In den Handel und zum Zahnarzt kommt es als Pulver. Durch Hinzugabe von flüssigem Quecksilber zu diesem Pulver entsteht Amalgam. Wegen des in der Legierung enthaltenen Schwermetalls Quecksilber wird Amalgam kontrovers diskutiert. Zwar ist bekannt, dass Schwermetalle Nerven angreifen können, was unter anderem zu Nervosität, Schlafstörungen oder Depressionen führen kann.

Bekannt ist, dass Quecksilber bis zu 20 Jahren im Körper bleiben und sich dabei in Leber und Nieren, im Fettgewebe und im Gehirn anlagern kann. Zudem ist Quecksilber ein für Menschen, Ökosysteme und wild lebende Tiere hochgiftiger Stoff. Bereits kleinste Mengen können zu Schädigungen des Nerven-, Atmungs- und Verdauungssystems führen. Insbesondere Schwangere, Säuglinge und Kinder sind hiervon gefährdet. Eindeutige Beweise, dass dies aber auch durch Füllungen aus Amalgam bewirkt werden kann fehlen jedoch.

Die Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ des Robert Koch-Instituts stellt in ihrem Materialienband zur Kommissionsmitteilung „Amalgam“ fest:

„Die in der wissenschaftlichen Literatur publizierten Ergebnisse lassen sich nicht als gesicherte Belege für einen Zusammenhang zwischen der Exposition von Quecksilber aus Amalgamfüllungen und dem Auftreten chronischer Erkrankungen, wie z.B. Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Neubildungen oder neurodegenerative Erkrankungen interpretieren.“

Mehrkostenvereinbarung bei Zahnfüllungen (§ 28 Abs. 2 SGB V)

"Die zahnärztliche Behandlung umfasst die Tätigkeit des Zahnarztes, die zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten nach den Regeln der zahnärztlichen Kunst ausreichend und zweckmäßig ist; sie umfasst auch konservierend-chirurgische Leistungen und Röntgenleistungen, die im Zusammenhang mit Zahnersatz einschließlich Zahnkronen und Suprakonstruktionen erbracht werden. Wählen Versicherte bei Zahnfüllungen eine darüber hinausgehende außervertragliche Versorgung, haben sie die Mehrkosten selbst zu tragen. In diesen Fällen ist von den Kassen die vergleichbare preisgünstigste plastische Füllung als Sachleistung abzurechnen. In Fällen des Satzes 2 ist vor Beginn der Behandlung eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Zahnarzt In Fällen des Satzes 2 ist vor Beginn der Behandlung eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Zahnarzt und dem Versicherten zu treffen. Die Mehrkostenregelung gilt nicht für Fälle, in denen intakte plastische Füllungen ausgetauscht werden." (§ 28 SGB V)

Werden Mehrkostenvereinbarungen nur mündlich getroffen, dann sind sie wegen der fehlenden, aber gesetzlich vorgeschriebenen Schriftform unwirksam und gerichtlich nicht durchsetzbar. Denn nur mit einer vom Patienten vor der Behandlung unterschriebenen Mehrkostenvereinbarung ist er verpflichtet, die anfallenden Mehrkosten selbst zu tragen. Daher muss aus der Vereinbarung auch erkennbar sein, in welcher Höhe Kosten für den Versicherten anfallen.

Gruppenprophylaxe

Unter zahnmedizinischer Gruppenprophylaxe versteht man nach § 21 SGB V die flächendeckende Durchführung von Prophylaxemaßnahmen in der Regel durch Zahnärzte und zahnärztliches Fachpersonal zur Erhaltung, Förderung und Verbesserung der Mundgesundheit.

Die Kinder und Jugendlichen werden in Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Grundschulen sowie weiterführenden Schulen mit überdurchschnittlichem Kariesrisiko gruppenweise angesprochen. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer werden in die Zusammenarbeit einbezogen. Besonders gefährdete Kinder werden mit spezifischen Programmen der Intensivprophylaxe betreut.

Zur Verhütung und Reduktion von Zahn-/Munderkrankungen werden Methodenschwerpunkte gesetzt:

  • Gesundheitserziehung/-förderung durch die Stärkung der eigenen Kompetenz und Selbstverantwortung (oral-self-care) mit dem Ziel nachhaltiger Verhaltensprägung und -/änderung
  • Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen und Durchführung von Fluoridierungsmaßnahmen

(Quelle: www.daj.de)

Individualprophylaxe

Gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche zwischen dem 7. und vollendeten 18. Lebensjahr haben Anspruch auf ein spezielles Vorsorgeprogramm zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Individualprophylaxe). Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen.

Zum Leistungsumfang gehören insbesondere die Beurteilung der Mundhygiene und des Zahnfleischs sowie die Feststellung des Kariesrisikos. Über die Ursache von Karies und Gingivitis werden die Kinder und Jugendlichen altersgerecht aufgeklärt, zudem werden Hinweise zur zahngesunden Ernährung gegeben und bei Bedarf praktische Übungen zur Mundhygiene durchgeführt. Als begleitende Maßnahme kann die Fluoridierung der Zähne erfolgen. Kariesfreie Fissuren und Grübchen der großen, bleibenden Backenzähne sechs und sieben, können versiegelt werden.

Maßnahmen der Individualprophylaxe:

  • Erhebung eines Mundhygienestatus mit Anfärben der Zähne und anderen Indices
  • Altersgerechte Vermittlung der richtigen Zahnputztechnik
  • Motivation zur täglichen richtigen Mundhygiene
  • Ggf. Zahnsteinentfernung (maximal 1x pro Jahr)
  • Reinigung und Politur aller Zahnoberflächen
  • Bei Bedarf Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne (Zahnbezeichnung: 16,26,36,46,17,27,37,47)
  • Fluoridierung

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Aktionsplan Amalgam vorgelegt.
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Ein Gedanke zu „Aktionsplan Amalgam vorgelegt.

  • 11. August 2019 um 10:30 pm
    Permalink

    Danke für diesen informativen Artikel. Schade, dass die Kosten für Kunststofffüllungen oder Keramik- oder Gold-Inlays nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

    Sind vielleicht Zahnarztbesuche, wie beispielsweise in Zahnkliniken in Ungarn oder Polen eine Alternative?

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