Dramatische regionale Unterschiede bei der zahnmedizinischen Versorgung deckt der am Donnerstag in Berlin vorgestellte Barmer-Zahngesundheitsatlas auf.

Barmer-Zahngesundheitsatlas

Dramatische regionale Unterschiede bei der zahnmedizinischen Versorgung deckt der am Donnerstag in Berlin vorgestellte Barmer-Zahngesundheitsatlas auf.

Eigenanteil für Zahnersatz in Bayern am höchsten

Bayern greifen für Kronen, Brücken und Co. deutschlandweit am tiefsten in die Tasche. 1.228 Euro – so hoch ist im Schnitt der Eigenanteil, den Zahnarztpatienten in Bayern im Schnitt für ihren neuen Zahnersatz aus eigener Tasche zuzahlen. Günstiger ist es in Sachsen-Anhalt, denn dort liegt der Eigenanteil laut Zahngesundheitsatlas bei 628 Euro.

Der Zahngesundheitsatlas zeigt regionale Unterschiede bei den Eigenanteilen und den Gesamtkosten für Zahnersatz.
Regionale Unterschiede bei den Eigenanteilen und den Gesamtkosten für Zahnersatz.

Im Jahr 2017 lagen die Gesamtkosten für neuen Zahnersatz je versorgtem Versicherten in den östlichen Flächenländern mit 1.274 Euro bis 1.379 Euro deutlich unter dem Bundesschnitt von 1.524 Euro. Mit 1.877 Euro war Zahnersatz in Niedersachsen am teuersten. Aber auch bei der Verteilung der Kosten auf Versicherung und Patienten fielen die Unterschiede massiv aus. Der vom Patienten zu tragende Eigenanteil lag beim Zahnersatz in den östlichen Flächenländern mit 47,7 Prozent bis 50,2 Prozent deutlich unter Bayern und Baden-Württemberg. Dort trugen Patientinnen und Patienten mit ihrem Eigenanteil 66,0 beziehungsweise 66,7 Prozent der Kosten.

Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer geht davon aus, dass die Ursache für hohe Kosten in der verstärkten Wahl von aufwändigem, ästhetisch ansprechenderem und somit meist teurerem Zahnersatz liegt. Dabei sei die Regelversorgung nicht nur zweckmäßig, sondern auch haltbar. „Wenn aufwändiger Zahnersatz gewählt wird, stellt sich durchaus die Frage, ob das immer der alleinige Wunsch des Patienten ist“, so Straub. Dass die Regelversorgung immer weniger von Patienten gewählt wird, zeigt bereits der aktuelle BARMER-Zahnreport 2019.

Zahngesundheitsatlas zeigt: Deutliche Stadt-Land-Unterschiede bei der Versorgung

Nicht nur zwischen den Bundesländern, auch zwischen Stadt und Land zeigen sich deutliche Unterschiede. Während 9,0 Prozent der Berliner und 8,7 Prozent der Hamburger im Jahr 2017 einen neuen Zahnersatz bekamen, waren es im Saarland lediglich 6,4 Prozent und in Bayern und Rheinland-Pfalz jeweils 6,9 Prozent. Bundesweit traf dies auf 7,4 Prozent zu. „Dass vor allem die Versicherten in den Stadtstaaten häufiger Zahnersatz bekommen, könnte zum einen am leichteren Zugang zur Versorgung bei einer vergleichsweise hohen Zahnarztdichte liegen. Zum anderen könnten höhere ästhetische Ansprüche eine Erklärung sein“, sagte Studienautor Prof. Dr. Michael Walter von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik an der TU Dresden.

Bayern Spitze bei Früherkennungsuntersuchungen für Kinder

Bei Früherkennungsuntersuchungen für Kinder ist Bayern Spitze. Während in Bayern die Inanspruchnahmerate bei 42,5 Prozent liegt, beträgt dieser Wert beim Schlusslicht Saarland lediglich 27,7 Prozent. Bundesweit waren 35,9 Prozent der Kinder zwischen dem 30. und 72. Lebensmonat bei einer Früherkennungsuntersuchung.

Früherkennungsuntersuchungen für Kinder vom 30. bis zum 72. Lebensmonat.
Früherkennungsuntersuchungen für Kinder vom 30. bis zum 72. Lebensmonat.
(NA = nicht auswertbar)

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Individualprophylaxe für die Sechs-bis unter 18-Jährigen. Während 72,3 Prozent der Thüringer Heranwachsenden im Jahr 2017 zur Vorsorge gingen, waren es in Bremen 54,8 Prozent.

„Wir wollen mit dem Atlas zur Zahngesundheit Transparenz schaffen und eine Diskussion über die bundesweiten Versorgungsunterschiede, Kosten und Nutzen anstoßen. Viele Ergebnisse aus dem Atlas lassen sich nicht zahnmedizinisch erklären. Zahnärzteschaft, Krankenkassen und Politik in Bund und Ländern sollten gemeinsam die Ursachen dieser Unterschiede diskutieren, um bundesweit einheitlich hohe Standards bei Beratung und Versorgung sicherzustellen“, so Straub.

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