Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin gefordert

Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin gefordert.

Die Begriffe “Nachhaltigkeit” oder englisch “Sustainability” sind heute in aller Munde. Jetzt fordert auch der Weltzahnärzteverband nachhaltige Zahnmedizin.

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Weltzahnärzteverband fordert Nachhaltigkeit für die Zahnmedizin

Der Weltzahnärzteverband (FDI, World Dental Federation) fordert nachhaltige Zahnmedizin und Reduzierung des CO2-Fußabdrucks1Bundeszahnärztekammer. Stellungnahme zur Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin, April 2021, https://www.bzaek.de/service/positionen-statements/einzelansicht/nachhaltigkeit-in-der-zahnmedizin-sustainability-in-dentistry.html; zuletzt aufgerufen am 15.09.2021. Um dies zu erreichen haben Vetreter der Industrie, Angehörige der Gesundheitsberufe, wissenschaftliche Experten, Vertreter der Gesetzgebung und Zahnärzteverbände eine Erklärung zur ökologisch nachhaltigen Mundgesundheit veröffentlicht. Damit sollen alle Akteure der Dentalbranche, also Zahnarztpraxen, Zahntechniklabore, Dentalindustrie und Dentalhandel, zu umweltfreundlicheren Praktiken bewegt werden und sich letztlich der CO2-Fußabdruck der Branche verringern.

„Es wird viele überraschen, dass der Gesundheitssektor für rund fünf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, zu denen auch die Mundgesundheit erheblich beiträgt.“

Prof. Ihsane Ben Yahya, FDI-Präsidentin und Dekanin der Fakultät für Zahnmedizin der Mohammed VI University of Health Sciences, Casablanca, Marokko

Paradox: Auch unsere Mundgesundheit belastet die Umwelt

Die Erhaltung der Mundgesundheit ist wichtig für uns, trägt aber zur Umweltbelastung bei, beispielsweise durch die Freisetzung von CO₂, die Treibhausgaswirkung von Anästhesiegasen wie Lachgas oder hohen Wasserverbrauch. Oder denken wir nur an unnötige Umverpackungen um Mundpflegeprodukte oder Zahnbürsten aus konventionellem Plastik anstelle von Biokunststoffen oder Bambusholz. Aber auch die oft in Zahnarztpraxen verwendeten Mundspülbecher aus Kunststoff sind nicht im Sinn der Nachhaltigkeit. Problemlos können diese Becher durch Mundspülbecher aus Pappe bzw. Hartpapier oder durch sterilisierbare Mehrwegbecher aus Klarglas oder Hartporzellan ersetzt werden. Überhaupt: Täglich fällt in den Zahnarztpraxen säckeweise Praxismüll mit Einwegprodukten wie Handschuhe, Servietten, Mundschutze oder Speichelsaugern. Auch hier müssen Lösungen gefunden werden. Beispielsweise durch Reduzierung, Wiederverwendung, Recycling und Umdenken, den 4rs: reduce, reuse, recycle und rethink.

Schon der Austausch von Kunststoffbechern (links) gegen Mundspülbecher aus Pappe oder Hartpapier (rechts) entlastet die Umwelt und reduziert den Praxismüll

Grundvoraussetzung für mehr Nachhaltigkeit in den Zahnarztpraxen ist allerdings, dass das Thema stärker in den Fokus rückt. Laut einer 2021 von DocCheck Insights im Auftrag der Apotheker- und Ärztebank (apoBank) durchgeführten Umfrage stufen zwar lediglich 21 Prozent der Zahnärzte und Zahnärztinnen das Thema Nachhaltigkeit als persönlich sehr relevant ein, dennoch geben 27 Prozent an, ihre Praxis sei nachhaltig aufgestellt. Wobei vor allem Maßnahmen in Sachen Entsorgung, Energie, und Digitalisierung im Vordergrund stehen2FDI. Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin. Stellungnahme ADOPTED by FDI General Assembly August, 2017 in Madrid, Spain https://www.fdiworlddental.org/de/nachhaltigkeit-der-zahnmedizin; zuletzt aufgerufen am 15.09.20213FDI. FDI World Dental Federation Sustainability in Dentistry initiative unites eco-conscious dental industry partners around a common aim. Geneva, 03.05.2021. https://www.dentsplysirona.com/content/dam/master/corporate/communications/corporate-social-responsibility/CORP-Report-FDI-World-Dental-Federation-Sustainability-EN-1.pdf; zuletzt aufgerufen am 15.09.2021. Befragt nach den Hürden für mehr Nachhaltigkeit in den Zahnarztpraxen werden der Mangel an nachhaltigen Alternativen (62%), zu hohe Kosten (48%) und der zu hohe Aufwand (47%) genannt4FDI. FDI World Dental Federation Sustainability in Dentistry initiative unites eco-conscious dental industry partners around a common aim. Geneva, 03.05.2021. https://www.dentsplysirona.com/content/dam/master/corporate/communications/corporate-social-responsibility/CORP-Report-FDI-World-Dental-Federation-Sustainability-EN-1.pdf; zuletzt aufgerufen am 15.09.2021.

Es gibt noch viel zu tun. Auch, aber nicht nur für die Dentalbranche

Es gibt also durchaus Potential zur Verbesserung der Nachhaltigkeit. Sowohl in den zahnärztlichen Praxen als auch in der Dentalindustrie. Schließlich sollen gesündere Münder nicht zu Lasten unserer Umwelt gehen. Aber nicht nur Zahnarztpraxen, Dentallabore oder die Dentalindustrie ist gefordert. Auch wir selbst müssen unseren Teil zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Denn wenn wir unsere Zähne durch eine gute Mundhygiene und gesunde, möglichst zuckerarme Ernährung, den Verzicht auf Tabak und regelmäßige zahnärztliche Untersuchen gesund erhalten, schonen wir zugleich unseren Planeten5Bundeszahnärztekammer. Stellungnahme zur Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin, April 2021, https://www.bzaek.de/service/positionen-statements/einzelansicht/nachhaltigkeit-in-der-zahnmedizin-sustainability-in-dentistry.html; zuletzt aufgerufen am 15.09.2021. Durch vermeidbare Behandlungen und weniger Fahrten in die Praxis6FDI World Dental Federation Sustainability in Dentistry initiative unites eco-conscious dental industry partners around a common aim
https://www.fdiworlddental.org/fdi-world-dental-federation-sustainability-dentistry-initiative-unites-eco-conscious-dental
. Prof. Nicolas Martin, Vorsitzender des FDI-Taskteams “Nachhaltigkeit in der Zahnheilkunde” und Professor für restaurative Zahnmedizin an der School of Clinical Dentistry der University Sheffield in Großbritannien stellt fest:

„Vorbeugen ist besser als heilen und es ist der wirkungsvollste und praktischste Weg, um den Bedarf an klinischen Eingriffen und den damit verbundenen Umweltauswirkungen zu reduzieren.“

Prof. Nicolas Martin, Vorsitzender des FDI-Taskteams “Nachhaltigkeit in der Zahnheilkunde

(zpl, Teaserfoto: lovelyday12/Shutterstock.com)

Literatur/Anmerkungen

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