Diabetes und Parodontitis stehen in enger Wechselwirkung. Gute Mundpflege hilft, Ihre Blutzuckerwerte zu verbessern.
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Wussten Sie, dass Diabetes und Zahnprobleme eng miteinander verknüpft sind? Die Volkskrankheiten Diabetes mellitus Typ 2 und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig. Eine gute Mundgesundheit nützt daher nicht nur Ihren Zähnen, sondern auch Ihrer Blutzuckerkontrolle. Dieser Zusammenhang ist so bedeutsam, dass er zum Weltdiabetestag besondere Aufmerksamkeit verdient.
Warum Diabetiker besonders anfällig für Zahnprobleme sind
Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker begünstigt das Wachstum bestimmter Bakterien im Mund, was zu Entzündungen führen kann. Diabetiker haben sogar ein bis zu dreifach höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken als Menschen ohne Diabetes1DGParo – Parodontitis und Diabetes [abgerufen am 13.11.2025].
Die Ursache liegt in mehreren Faktoren: Erhöhte Blutzuckerwerte schwächen das Immunsystem und fördern Entzündungsprozesse im gesamten Körper. Zudem verändert sich bei Diabetes die Zusammensetzung des Speichels2Goyal, D.; Kaur, H.; Jawanda, M., K.; Verma, S.; Parhar, S. (2012): Salivary pH and dental caries in diabetes mellitus. In: International Journal of Oral and Maxillofacial Pathology (3 (4)), S. 13–16,3Singh, I.; Singh, P.; Singh, A.; Singh, T.; Kour, R. (2016): Diabetes an inducing factor for dental caries. A case control analysis in Jammu. In: Journal of International Society of Preventive & Community Dentistry 6 (2), S. 125–129. DOI: 10.4103/2231-0762.178748,4López-Pintor, R. M.; Casañas, E.; González-Serrano, J.; Serrano, J.; Ramírez, L.; Arriba, L. de;
Hernández, G. (2016): Xerostomia, hyposalivation, and salivary flow in diabetes patients. In: Journal of Diabetes Research 2016 (4372852). DOI: 10.1155/2016/4372852,5Kogawa, E. M.; Grisi, D. C.; Falcão, D. P.; Amorim, I. A.; Rezende, T. M. B.; da Silva, I. C. R. et al.
(2016): Impact of glycemic control on oral health status in type 2 diabetes individuals and its association with salivary and plasma levels of chromogranin A. In: Archives of Oral Biology 62, S.10–19. DOI: 10.1016/j.archoralbio.2015.11.005. Diese Veränderungen bieten schädlichen Bakterien im Mundraum ideale Wachstumsbedingungen.
Typische Mundprobleme bei Diabetes sind:
- Häufigere und schwerere Zahnfleischentzündungen
- Erhöhtes Risiko für Parodontitis
- Vermehrte Mundtrockenheit
- Höhere Anfälligkeit für Karies
- Verlangsamte Wundheilung nach zahnärztlichen Eingriffen
Der Teufelskreis: So verschlimmern Zahnprobleme den Diabetes
Die Beziehung zwischen Diabetes und Mundgesundheit ist keine Einbahnstraße. Nicht nur erhöht Diabetes das Risiko für Zahnprobleme – Zahnprobleme verschlechtern auch die Diabeteskontrolle.
Wie beeinflusst Parodontitis die Blutzuckerwerte?
Eine unbehandelte Parodontitis kann den Blutzuckerspiegel verschlechtern und die Insulinresistenz erhöhen6Narürlich Medizin! -Diabetes und Parodontitis verstärken sich gegenseitig [abgerufen am 12.11.2025]. Chronische Entzündungen im Mund setzen Entzündungsbotenstoffe frei, die den Zuckerstoffwechsel beeinträchtigen. Diese Botenstoffe gelangen über die Blutbahn in den gesamten Körper und stören die normale Wirkung des Insulins.
Es entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Erhöhte Blutzuckerwerte fördern Parodontitis, die wiederum den Blutzuckerspiegel weiter erhöht. Wissenschaftliche Studien belegen diesen Zusammenhang eindeutig. Parodontitis erhöht die Insulinresistenz des Gewebes, was die Diabeteskontrolle zusätzlich erschwert. Das Problem: Viele Betroffene bemerken die Parodontitis erst spät. Die Erkrankung verläuft anfangs oft schmerzfrei und wird daher unterschätzt. Erste Anzeichen wie gelegentliches Zahnfleischbluten beim Zähneputzen werden häufig ignoriert.
Die gute Nachricht: Zahnbehandlung verbessert Blutzuckerwerte
Es gibt auch erfreuliche Erkenntnisse: Eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung kann die Blutzuckerkontrolle messbar verbessern. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine erfolgreiche Parodontitistherapie den HbA1c-Wert (ein wichtiger Indikator für die langfristige Blutzuckereinstellung) um 0,3 bis 0,6 Prozent senken kann7zfp-online: Diabetes und Parodontitis: Experten fordern bessere fachübergreifende Vernetzung [aufgerufen am 13.11.2025]. Diese Verbesserung ist beachtlich und vergleichbar mit der Wirkung einiger Diabetes-Medikamente. Eine gründliche Zahnpflege ist daher ein wichtiger Bestandteil der Diabetes-Therapie.
Die systematische Parodontitisbehandlung umfasst:
- Gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen
- Entfernung erkrankten Gewebes
- Bei Bedarf Einsatz von Antibiotika
- Regelmäßige Nachsorge
Nach der Behandlung berichten viele Patienten nicht nur über gesünderes Zahnfleisch, sondern auch über stabilere Blutzuckerwerte. Die bakteriellen Entzündungen werden reduziert, was den Stoffwechselprozess positiv beeinflusst.
Praxis-Tipp: Optimale Mundpflege bei Diabetes
Für Menschen mit Diabetes ist eine besonders gründliche Mundpflege entscheidend. Hier finden Sie die wichtigsten Empfehlungen für Ihre tägliche Routine:
- Putzen Sie Ihre Zähne mindestens zweimal täglich gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta
- Reinigen Sie die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten
- Verwenden Sie bei Bedarf zusätzlich eine antibakterielle Mundspülung
- Wechseln Sie Ihre Zahnbürste regelmäßig (alle 2-3 Monate)
- Nutzen Sie zuckerfreie Kaugummis gegen Mundtrockenheit
- Achten Sie auf eine zuckerarme Ernährung
Ein gut eingestellter Blutzucker verbessert die Wundheilung und senkt das Entzündungsrisiko. Daher ist die konsequente Diabetes-Therapie auch für Ihre Mundgesundheit wichtig. Die Verbindung funktioniert in beide Richtungen: Ein stabiler Blutzucker hilft Ihren Zähnen, und gesunde Zähne helfen Ihrem Blutzucker.
Zahnarztkontrolle: Häufigkeit und Besonderheiten für Diabetiker
Regelmäßige Zahnarztbesuche sind für alle Menschen wichtig – für Diabetiker aber besonders entscheidend. Experten empfehlen: Mindestens zweimal jährlich sollten Sie einen Kontrolltermin beim Zahnarzt wahrnehmen. Bei fortgeschrittener Parodontitis oder schlecht eingestelltem Diabetes können häufigere Kontrollen sinnvoll sein. Die professionelle Zahnreinigung ist ein wichtiger Bestandteil dieser Vorsorge und sollte ebenfalls mindestens zweimal jährlich durchgeführt werden. Wichtig ist, dass Sie Ihren Zahnarzt über Ihre Diabetes-Erkrankung informieren. Teilen Sie ihm mit:
- Typ und Dauer Ihrer Diabetes-Erkrankung
- Aktuelle Medikamente
- Ihren durchschnittlichen HbA1c-Wert
- Eventuelle Diabetes-Komplikationen
Diese Informationen helfen dem Zahnarzt, Ihre Behandlung optimal anzupassen. Der beste Zeitpunkt für Zahnarztbesuche ist oft vormittags, wenn der Blutzuckerspiegel stabil ist und die Behandlung gut vertragen wird.
Zwei Volkskrankheiten im Überblick
Sowohl Diabetes als auch Parodontitis zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Ihre Verbreitung und ihr gegenseitiger Einfluss machen sie zu einem wichtigen Gesundheitsthema:
| Erkrankung | Betroffene in Deutschland | Hauptrisikofaktoren | Zusammenhang mit der anderen Erkrankung |
| Diabetes Typ 2 | 9-11 Millionen | Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel | Erhöht das Risiko für Parodontitis um das 3-fache |
| Parodontitis | ca. 14 Millionen | Unzureichende Mundhygiene, Rauchen, genetische Veranlagung | Verschlechtert die Blutzuckereinstellung |
Menschen mit schlecht eingestelltem Diabetes haben ein besonders hohes Risiko für Parodontitis. Gleichzeitig kann eine bestehende Parodontitis den Blutzuckerspiegel weiter verschlechtern. Dieser wechselseitige Einfluss macht eine gründliche Zahnpflege für Diabetiker besonders wichtig.
Zusammenarbeit von Medizin und Zahnmedizin wichtiger denn je
Die Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen Diabetes und Mundgesundheit führt zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Diabetologen. 2024 wurde eine gemeinsame Leitlinie von zahnmedizinischer und medizinischer Fachgesellschaft zum Thema veröffentlicht8S2k-Leitlinie Diabetes und Parodontitis [aufgerufen am 13.11.2025]. Diese Leitlinie empfiehlt:
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen für alle Diabetiker
- Screening auf Diabetes bei Patienten mit schwerer Parodontitis
- Engere Kommunikation zwischen Zahnärzten und Diabetologen
- Aufklärung der Patienten über die Wechselwirkungen
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist entscheidend für eine ganzheitliche Behandlung. Ihr Zahnarzt und Ihr Diabetologe sollten idealerweise voneinander wissen und sich austauschen.
Fazit: Mundgesundheit ist Teil der Diabetes-Therapie
Eine gute Mundgesundheit ist ein wichtiger Baustein in der Diabetes-Therapie. Durch regelmäßige Zahnarztbesuche, professionelle Zahnreinigungen und konsequente tägliche Mundhygiene können Sie Ihre Blutzuckerwerte positiv beeinflussen. Die Wechselwirkung zwischen beiden Erkrankungen bietet auch eine Chance: Jede Verbesserung der Mundgesundheit kann sich positiv auf Ihre Diabeteskontrolle auswirken. Umgekehrt hilft ein gut eingestellter Blutzucker, Zahnprobleme zu vermeiden.
Checkliste für Diabetiker
– Informieren Sie Ihren Zahnarzt/Ihre Zahnärztin über Ihre Diabetes-Erkrankung
– Vereinbaren Sie mindestens zweimal jährlich einen Kontrolltermin
– Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen
– Achten Sie auf Anzeichen einer Parodontitis (Zahnfleischbluten, Rückgang des Zahnfleisches, Mundgeruch)
– Optimieren Sie Ihre tägliche Mundhygiene
– Stellen Sie Ihren Blutzucker optimal ein
– Suchen Sie bei Zahnfleischproblemen sofort den Zahnarzt/die Zahnärztin auf
Nehmen Sie doch den Weltdiabetestag zum Anlass, Ihre Mundgesundheit zu überprüfen und zu verbessern. Eine gute Zahnpflege kann nicht nur Ihre Zähne retten, sondern auch Ihre Diabeteskontrolle verbessern und zu Ihrer allgemeinen Gesundheit beitragen.
Hintergrund „Weltdiabetestag“
Der Weltdiabetestag findet jährlich am 14. November statt, dem Geburtstag von Frederick Banting, dem Entdecker des Insulins]. Seit 1991 wird er von der Internationalen Diabetikervereinigung und der WHO ausgerufen und ist seit 2007 ein offizieller UN-Tag.
Ziel des Aktionstages ist es, das Bewusstsein für Diabetes und Präventionsmöglichkeiten zu stärken. In diesem Jahr steht auch der Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Diabetes im Fokus vieler Informationsveranstaltungen]. Dieser Tag bietet eine gute Gelegenheit, um das Wissen über die Wechselwirkung von Diabetes und Mundgesundheit zu vertiefen.
zpl, Teaserfoto: Adobe KI-generiert
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Literatur/Anmerkungen
- 1DGParo – Parodontitis und Diabetes [abgerufen am 13.11.2025]
- 2Goyal, D.; Kaur, H.; Jawanda, M., K.; Verma, S.; Parhar, S. (2012): Salivary pH and dental caries in diabetes mellitus. In: International Journal of Oral and Maxillofacial Pathology (3 (4)), S. 13–16
- 3Singh, I.; Singh, P.; Singh, A.; Singh, T.; Kour, R. (2016): Diabetes an inducing factor for dental caries. A case control analysis in Jammu. In: Journal of International Society of Preventive & Community Dentistry 6 (2), S. 125–129. DOI: 10.4103/2231-0762.178748
- 4López-Pintor, R. M.; Casañas, E.; González-Serrano, J.; Serrano, J.; Ramírez, L.; Arriba, L. de;
Hernández, G. (2016): Xerostomia, hyposalivation, and salivary flow in diabetes patients. In: Journal of Diabetes Research 2016 (4372852). DOI: 10.1155/2016/4372852 - 5Kogawa, E. M.; Grisi, D. C.; Falcão, D. P.; Amorim, I. A.; Rezende, T. M. B.; da Silva, I. C. R. et al.
(2016): Impact of glycemic control on oral health status in type 2 diabetes individuals and its association with salivary and plasma levels of chromogranin A. In: Archives of Oral Biology 62, S.10–19. DOI: 10.1016/j.archoralbio.2015.11.005 - 6Narürlich Medizin! -Diabetes und Parodontitis verstärken sich gegenseitig [abgerufen am 12.11.2025]
- 7zfp-online: Diabetes und Parodontitis: Experten fordern bessere fachübergreifende Vernetzung [aufgerufen am 13.11.2025]
- 8S2k-Leitlinie Diabetes und Parodontitis [aufgerufen am 13.11.2025]









1 Gedanke zu „Weltdiabetestag: Gute Zahnpflege beeinflusst Blutzuckerwerte positiv“
Haha, wow, Diabetes und Zahnfleischbluten – eine echte Einbahnstraße mit Rückschlägen! Manchmal fühlt es sich an, als kämen die Probleme in Scharen, wie die Bakterien bei schlechter Mundhygiene. Gut, dass man den Zahnarzt über den Diabetes und den Doc über die Zahnprobleme informieren muss, das ist schon ein kleines Netzwerk fürs Wohlbefinden! Und ja, vielleicht sollte ich die Zahnpasta mit mehr Liebe behandeln – ja, wirklich, mehr Liebe! 😉 Ein guter Blutzucker hilft den Zähnen, und gesunde Zähne helfen dem Blutzucker – das klingt nach dem perfekten Duett für ein langes und glückliches Leben. Zahnarzttermin gebucht!