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Zahnpflege auf höchstem Niveau

Die Wurzelkanalbehandlung.

Durch einen Unfall oder fortgeschrittene Karies kann es zu einer Entzündung des Zahnnerv, der Pulpa, kommen. Oft letzte Rettung ist dann die Wurzelkanalbehandlung.

Die “dicke Backe”

Erste Anzeichen dieser Entzündung (Pulpitis) können Schmerzen beim Verzehr von kalten, heißen, süßen oder sauren Speisen sein. Wird jetzt eine Behandlung, bspw. die Entfernung der Karies, durchgeführt, dann kann sich die Pulpa meistens wieder erholen (reversible Pulpitis). Unternehmen Sie nichts, dann sind heftige Zahnschmerzen die Folge.

Setzt auch jetzt noch keine Behandlung ein, dann ist eine Erholung der Pulpa unmöglich (irreversible Pulpitis). Der Zahnnerv stirbt ab, und die Entzündung geht auf den Kieferknochen über. Durchbricht die Entzündung auch den Kieferknochen, kann sich die Infektion bis in die Weichteile des Gesichts oder Halses ausbreiten. Es bildet sich ein Abszess und es entsteht die berühmte “dicke Backe” (Abb. 1).

Abb. 1 Zahn mit Pulpitis. Die Entzündung hat sich bereits in den Kieferknochen ausgeweitet.

Je früher desto besser

Zwar kann durch das Ziehen des Zahnes die Entzündung schnell beseitigt werden. Dann fehlt aber der Zahn und es muss zum Schluß der Lücke eventuell ein Zahnersatz, bspw. eine Brücke, angefertigt werden. Sofern möglich ist es daher besser, den Zahn durch eine Wurzelkanalbehandlung, eventuell auch durch eine Wurzelspitzenresektion zu erhalten.

In jedem Fall sollte so früh wie möglich mit der Behandlung begonnen werden, denn der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle. Je früher die Entzündung erkannt wird, und je schneller Ihr Zahnarzt mit der Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, Ihren Zahn zu retten.

Am Anfang steht die Röntgenaufnahme

Ziel der Wurzelkanalbehandlung ist die vollständige Entfernung der Pulpa aus der Nervhöhle (Pulpakammer) und dem Wurzelkanal. Außerdem sollen möglichst alle Bakterien aus dem Kanal beseitigt werden. Der dichte Verschluss des Kanals beendet die Behandlung. Dieser Verschluss sorgt dafür, dass keine Bakterien aus dem Kanal in den Kieferknochen gelangen. Vor der eigentlichen Behandlung wird zunächst eine Röntgenaufnahme des betreffenden Zahnes angefertigt. Mit ihr lässt sich beurteilen, ob eine Wurzelkanalbehandlung sinnvoll und durchführbar ist.

Um zu verhindern, dass während der Wurzelkanalbehandlung Speichel und Bakterien in den offenen Wurzelkanal gelangen, soll der Zahn mit einem Gummituch (Kofferdam) isoliert werden. Das Gummituch schützt nicht nur vor Speichelzutritt, sondern auch vor dem Verschlucken der feinen Instrumente, die zum Aufbereiten des Wurzelkanals verwendeten werden.

Nach dem Anlegen des Kofferdams verschafft sich der Zahnarzt durch Aufbohren des Zahnes einen direkten Zugang zur Pulpakammer und zur Pulpa. Die Pulpa wird entfernt und am Boden der Pulpakammer der winzige Eingang zum Wurzelkanal gesucht. Eine vergrößernde Lupenbrille oder ein dentales Operationsmikroskop (Dentalmikroskop) erleichtert das Auffinden des Eingangs zum Wurzelkanals, der im nächsten Schritt erweitert (aufbereitet) werden muss, um eine Desinfektion und Füllung des Kanals zu ermöglichen.

Die Länge muss stimmen

Vor der eigentlichen Aufbereitung ist zunächst die exakte Vermessung der Wurzelkanallänge notwendig. Denn nur eine Wurzelfüllung, die bis nahe an die Wurzelspitze reicht, kann den Zahn dauerhaft erhalten. In jedem Fall muss eine zu kurze oder zu lange Wurzelfüllung vermieden werden. Ist die Füllung zu kurz, verbleiben noch Bakterien im Zahn, und die Entzündung heilt nicht aus. Fällt die Füllung zu lang aus, kann sie im Kieferknochen eine Entzündung verursachen.

Für die Wurzelkanalbehandlung kann die Kanallänge sowohl mit einer Röntgenaufnahme (Röntgenmesstechnik) als auch mit Hilfe einer elektrischen Längenmessung (Endometrie) ermittelt werden. Bei der Röntgenmesstechnik wird ein feines Handinstrument in den Wurzelkanal eingeführt und anhand einer Röntgenaufnahme der Sitz und die Lage des Instruments im Kanal sowie die Gesamtlänge des Zahnes bestimmt.

Alternativ zur Röntgenmesstechnik kann die Länge des Zahnes auch mit Hilfe eines elektrischen Messgerätes gemessen werden. Diese endometrische Wurzelkanallängenbestimmung ist der Röntgenmesstechnik in vielen Fällen überlegen. Zusätzlich wird durch Einsatz der Endometriegeräte eine Verringerung der Röntgenstrahlenbelastung während der Wurzelkanalbehandlung erreicht.

„Die Kombination von Endometrie und Röntgenmessaufnahme liefert derzeit die genaueste Bestimmung der endodontischen Arbeitslänge.“

DGZ, DGZMK (2004), Stellungnahme “Die Bestimmung der endodontischen Arbeitslänge”

Die Erweiterung der Wurzelkanäle

Das Bearbeiten der Wurzel, die sogenannte Aufbereitung, ist kompliziert. Der Zahnarzt arbeitet in einem Gebiet, das der direkten Sicht verschlossen ist. Feingefühl und guter Tastsinn, verbunden mit Übung und Erfahrung sind hierbei unerlässlich.

Nachdem die Arbeitslänge der Instrumente bestimmt ist, kann der Wurzelkanal bis zur Wurzelspitze mit zierlichen und sehr biegsamen Feilen erweitert werden. Vor allem bei Backenzähnen mit stark gekrümmten Wurzeln ist die Aufbereitung eine schwierige und zeitaufwendige Arbeit, die sich über mehrere Termine erstrecken kann. Abschließend wird der Wurzelkanal mit einer desinfizierenden Lösung, bspw. Natriumhypochlorid oder Chlorhexidin, gespült. In einigen Fällen sind weitere antimikrobielle Zwischeneinlagen notwendig.

Die zur Aufbereitung der Wurzelkanäle benutzten Instrumente bestehen aus Edelstahl oder Nickel-Titan. Da Edelstahlinstrumente nicht so flexibel wie Nickel-Titan-Instrumente sind, kann es bei stark gekrümmten Wurzelkanälen zur Begradigung der Kanäle kommen. Im Extremfall führt diese ungewollte Begradigung zum „Durchbohren“ (Perforation) der Wurzel. Ob trotz einer Perforation oder via falsa („falscher Weg“) eine weitere Erhaltung des Zahnes möglich ist, hängt von der Lokalisation der Perforation ab.

Nickel-Titan-Instrumente sind im Vergleich zu Edelstahlinstrumenten um das Dreifache flexibler. Daher eignen sich diese maschinell angetriebenen Instrumente sehr gut für gekrümmte Kanäle, da aufgrund der hohen Flexibilität die natürliche Wurzelkrümmung erhalten wird. Als Ergebnis der Aufbereitung soll der Wurzelkanal eine bis zur Wurzelspitze reichende glatte Innenfläche aufweisen.

Die Wurzelkanalbehandlung.
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5 Kommentare zu „Die Wurzelkanalbehandlung.

  • 20. Mai 2020 um 9:00 pm
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    Ich schätze diesen Artikel über Wurzelkanalbehandlungen. Meine Frau klagt in letzter Zeit über starke Schmerzen, die sie bei einem Zahn verspürt. Ich werde sie sofort zu einem Zahnarzt bringen, um zu prüfen, ob sie eine Wurzelkanalbehandlung benötigt.

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  • 29. Mai 2020 um 9:15 am
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    Gut zu wissen, dass Zeit eine entscheidende Rolle bei der Behandlung spielt. Seit einiger Zeit habe ich Zahnschmerzen und vermute eine Entzündung. Ich werde mich definitiv sofort an meinen Zahnarzt wenden. Vielen Dank für den Beitrag!

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  • 9. Juni 2020 um 12:59 pm
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    Danke für Info, dass auf jeden Fall eine Röntgenaufnahme erforderlich ist. Ich habe Zahnschmerzen und denke, dass eine Wurzelbehandlung nötig sein wird. Meine Aufnahme ist schon ein Jahr alt. Muss diese erneuert werden? Ich rufe einfach mal in Feldkirch an. Mein alter Zahnarzt kann diese dann zur Verfügung stellen.

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  • 12. Juni 2020 um 11:04 am
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    Gut zu wissen, dass Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Seit einiger Zeit habe ich Zahnschmerzen. Ich vermute eine Entzündung. Ich werde definitiv sofort meinen Zahnarzt kontaktieren. Vielen Dank für den Beitrag!

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  • 23. Juni 2020 um 5:20 pm
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    Danke für den Beitrag zum Thema Wurzelkanalbehandlung. Ich bin schon länger auf der Suche nach weiteren Informationen hierzu. Ich wollte mehr über solche Verfahren erfahren, vor ich zum Zahnarzt gehen muss.

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