BARMER Zahnreport 2019: Regelversorgung weniger nachgefragt.

Zahnersatz: Regelversorgung weniger nachgefragt.

Laut BARMER Zahnreport brauchen immer weniger Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Zahnersatz. Aber die Inanspruchnahme der Regelversorgung sinkt.

Regelversorgung verliert an Zuspruch

Der BARMER Zahnreport 2019 zeigt, dass in Deutschland immer weniger Menschen eine Versorgung mit Zahnersatz benötigen. Im Zeitraum 2014 bis 2017 verringerte sich der Anteil der Versicherten ab 20 Jahren, die Prothesen, Brücken oder Zahnkronen bekamen, um acht Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Fälle von 5,31 auf 4,96 Millionen. „Geringere Fallzahlen bei Zahnersatz sind der besseren Mundgesundheit in Deutschland zu verdanken. Unser Report zeigt jedoch, dass die Inanspruchnahme der Regelversorgung als Referenzversorgung stetig sinkt. Es ist an der Zeit, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Regelversorgung erneut überprüft und an die Entwicklung der Zahnmedizin anpasst, damit gesetzlich Versicherte am zahnmedizinischen Fortschritt teilhaben können“, fordert Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Eine berechtigte Forderung, denn die letzte Überprüfung der Regelversorgung fand 2013 statt, liegt also schon sechs Jahre zurück. Diese Überprüfung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) würde vor allem den Patientinnen und Patienten helfen, die eine zeitgemäße Grundlage für ihre Wahl zwischen den Versorgungsarten und ihren unterschiedlichen Eigenanteilen benötigen.

Während die Regelversorgung, die als Standardversorgung für den jeweiligen Ausgangsbefund gilt, weniger in Anspruch genommen wird, ist dies bei den anderen Versorgungsarten, also den gleichartigen und andersartigen Versorgungen, nicht oder weitaus geringer der Fall. Laut Zahnreport könnte der „schlechte Ruf der Regelversorgung als kostengünstige Standardversorgung“ hierfür verantwortlich sein. Daher steht der BARMER Zahnreport 2019 unter dem Motto „Wie gut ist die Regelversorgung?“.

Trotz weniger Zahnersatz steigen die Ausgaben

Zwar benötigen immer weniger Menschen einen Zahnersatz. Dennoch steigen die Ausgaben für Kronen, Brücken und Co. Mit 11,3 Prozent fiel der Zuwachs bei der Regelversorgung in den Jahren 2012 bis 2017 am geringsten aus. Am stärksten legte mit 16,5 Prozent die gleichartige Versorgung zu, die sich vom Standard der Regelversorgung oftmals nur in Feinheiten unterscheidet. Für andersartige Versorgungen mit ihren erheblichen Unterschieden zur Regelversorgung stiegen die Ausgaben allein in den Jahren 2014 bis 2017 um mehr als elf Prozent.

Die Anfertigung von Zahnersatz ist in der Regel mit einer Zuzahlung durch den betroffenen Patienten verbunden. Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich an der Anfertigung von Zahnersatz durch einen befundbezogenen Festzuschuss. Die Kosten der Versorgung mit Zahnersatz setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen.

Beispielhafte Ausgabenstruktur für eine vertragszahnärztliche Therapie mit Zahnersatz (Grafik: BARMER)
Beispielhafte Ausgabenstruktur für eine vertragszahnärztliche Therapie mit Zahnersatz (Grafik: BARMER)

Während 2017 für gleichartige Versorgungen 4,3 Milliarden Euro ausgegeben wurden, waren dies für Regelversorgungen 2,37 Milliarden Euro. Den geringsten Anteil hatte mit 1,28 Milliarden Euro die andersartige Versorgung. Im Durchschnitt gaben die Krankenkassen je neu versorgtem Versicherten im Jahr 2017 knapp 1.524 Euro aus, wobei die Ausgaben für Frauen mit 1.551 Euro höher lagen als die für Männer mit 1.495 Euro. Hinzu kamen Eigenanteile von durchschnittlich 879 Euro. Auch hier lagen die Frauen mit 908 Euro höher als die Männer, die 849 Euro selber aufwendeten.

Zahnersatz: Gesamtausgaben Kasse und Patient (Grafik: BARMER)
Zahnersatz: Gesamtausgaben Kasse und Patient (Grafik: BARMER)
Kassenanteil und Eigenanteil bei Zahnersatz (Grafik: BARMER)
Kassenanteil und Eigenanteil bei Zahnersatz (Grafik: BARMER)

Regelversorgung überzeugt bei Haltbarkeit

Der Report, für den die Daten der vertragszahnärztlichen Versorgung von 7,25 Millionen Barmer-Versicherten analysiert und auf die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland hochgerechnet wurden, belegt nach Ansicht seines Chefautoren Prof. Dr. Michael Walter vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, dass die Regelversorgung vor allem für diejenigen die richtige Wahl ist, die Haltbarkeit in den Vordergrund stellen und die Kosten begrenzen wollen. „Die Regelversorgung bewährt sich bei Zahnkronen und Zahnersatz auch im Vergleich zu gleichartigen und andersartigen Versorgungen gut“, betont Walter. Zahnkronen und festsitzende Brücken sind besonders haltbar.

Die Regelversorgung mit Prothese ohne Implantate weist lediglich in Fällen, in denen nur noch wenige oder gar keine Zähne mehr da sind, eine geringere Haltbarkeit gegenüber der andersartigen Versorgung auf, bei der die Prothese auf Implantaten befestigt wird. Leider hat in dieser Klasse von Befunden noch keine wissenschaftliche Überprüfung der Regelversorgung durch den G-BA stattgefunden. Daher unterstützt Walter die Forderung von Barmer-Chef Straub. „Ohne dieser Überprüfung vorzugreifen, gibt es klare Belege dafür, dass vor allem Patientinnen und Patienten mit zahnlosem Unterkiefer von einer auf zwei Implantaten gestützten Zahnersatzversorgung deutlich profitieren würden“, so Walter.

Daten aus dem BARMER Zahnreport 2019

Inanspruchnahme

Über alle Bereiche der vertragszahnärztlichen Versorgung hinweg lag der Anteil der Versicherten mit mindestens einer Inanspruchnahme im Jahr 2017 bei 71,5 Prozent. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist deutlich: 67,5 Prozent der Männer haben mindestens eine vertragszahnärztliche Leistung in Anspruch genommen. Mit einem Anteilswert von 75,4 Prozent haben dagegen deutlich mehr Frauen Leistungen beansprucht. Eine bedeutende Rolle dürfte das nachweislich höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen spielen.

Ausgaben

Ohne Berücksichtigung der von den Versicherten privat zu tragenden Kostenanteile lagen die Ausgaben für die hier untersuchten Bereiche der vertragszahnärztlichen Versorgung je Versicherten im Jahr 2017 bei 190,22 Euro, wobei die Durchschnittsausgaben bei den Frauen mit 199,48 Euro um 10,4 Prozent über den Durchschnittsausgaben der Männer (180,71 Euro) gelegen haben.

Regionale Unterschiede

Im Ländervergleich zeigt sich bei der um Alters- und Geschlechtseffekte bereinigten Inanspruchnahmerate eine Spanne von 65,2 Prozent (Saarland) bis 77,1 Prozent (Sachsen) und bei den mittleren Ausgaben pro Versicherten von 170,88 Euro (Saarland) bis 205,35 Euro (Berlin). Wie in den Vorjahren fällt der deutliche Unterschied in der Inanspruchnahme zwischen den neuen und alten Bundesländern auf: Über alle fünf Versorgungsbereiche hinweg betrachtet, liegen die Inanspruchnahmeraten in den neuen Bundesländern durchgängig deutlich höher als in den alten Bundesländern, wobei Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit 75,3 Prozent beziehungsweise 75,6 Prozent unter den neuen Bundesländern noch die niedrigsten Werte aufweisen.

In den alten Bundesländern liegen die Inanspruchnahmeraten überwiegend unterhalb der 70-Prozent-Marke. Spitzenreiter sind hier die beiden südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, wobei in Bayern mit 73,7 Prozent die höchste Inanspruchnahmerate erreicht wird. Im Mittel wird in den neuen Bundesländern bei etwas höheren Pro-Kopf-Ausgaben eine Inanspruchnahmerate von 76,1 Prozent erreicht, in den alten Bundesländern dagegen eine Inanspruchnahmerate von 70,4 Prozent.

Quelle: BARMER Zahnreport 2019

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0 Kommentare zu „Zahnersatz: Regelversorgung weniger nachgefragt.“

  1. Zahnersatz interessiert meine Oma in letzter Zeit, da sie Zahnschmerzen hat. Sie braucht mögliches einen Zahnersatz und wollte sich mehr darüber informieren. Ich fand es interessant zu lernen, dass weniger Menschen Zahnersatz benötigen.

  2. Ich wollte schon immer mehr wissen über Zahnersatz. Ich denke, das ist etwas, über das jeder mehr wissen sollte. Ich werde diesen Artikel auch mit meinem Onkel teilen. Das interessiert ihn auch.

  3. Hallo, danke für den tollen Beitrag zum Thema Zahnersatz. Meine Tante klagt in letzter Zeit über ihre Zähne und soll deshalb bald eine neue abnehmbare Zahnproteste von ihrem Zahnarzt erhalten. Ich wusste gar nicht, dass die Krankenkassen 2017 im Durchschnitt, je neu versorgtem Versicherten knapp 1.524 Euro ausgaben.

  4. Sehr interessanter Beitrag zum Thema Zahnersatz und Zahnimplantat. Der Beitrag ist sehr ausführlich und anschaulich geschrieben. Ein Thema das den einen oder anderen mal treffen könnte. Geht manchmal schneller als gedacht.

  5. Vielen Dank für den weiterführenden Beitrag zu Zahnersatz. Interessant, dass obwohl weniger Menschen in Deutschland Zahnersatz benötigen, die Ausgaben hierfür steigen. Besonders die Grafiken fand ich sehr informativ.

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