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Kreidezähne: Kein Zusammenhang mit Bisphenol A.

BfR: Zusammenhang zwischen Bisphenol A und Kreidezähnen unwahrscheinlich

Kreidezähne bei Kindern sind nicht selten, ihre Ursachen aber nicht geklärt. Bisher war ein Verdächtiger das in vielen Kunststoffen vorkommende Bisphenol A. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält dies für unwahrscheinlich.

Molaren-Inziviven-Hypomineralisation entwickelt sich zur Volkskrankheit

Kreidig-weißliche oder gelb-braune Flecken auf den bleibenden Backenzähnen, den Molaren, oder an den bleibenden Schneidezähnen, den Inzisiven, können ein Zeichen für eine Mineralisationsstörung der Zähne sein. Bei diesen Zähnen ist der Gehalt an Kalzium und Phosphat im Zahnschmelz viel niedriger als bei gesunden Zähnen. Der Zahnschmelz ist weicher und anfälliger für Schäden, und der Zahn ist schmerzempfindlicher. Zahnärzte sprechen von der Molaren-Inziviven-Hypomineralisation, kurz MIH. Oft findet man auch die Bezeichnungen „Kreidezähne“ oder „Käse-Molaren“ („Cheese Molars“).

Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Erkrankung nicht selten. In bestimmten Altersgruppen hat die MIH bereits die Karies überholt und nimmt zudem weiter stark zu. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) spricht daher bereits von einer neuen Volkskrankheit (vgl. DGZMK Pressekonferenz am 24. Mai 2018). Angesichts der Tatsache, dass im Durchschnitt 10 bis 15 Prozent der Kinder an MIH leiden und die Quote bei den 12jährigen sogar bei rund 30 Prozent liegt durchaus berechtigt (vgl. DMS V, S. 261).

Molaren-Inziviven-Hypomineralisation
14 Prozent der Kinder weltweit haben eine Mineralisationsstörung des Zahnschmelzes (MIH). Grafik: proDente e.V.

Ursachen für Kreidezähne noch immer ungeklärt

Die Ursachen dieser zunehmenden Zahnerkrankung sind noch nicht restlos geklärt. Immer wieder wird hierbei Bisphenol A (BPA), ein Weichmacher für Kunststoff, genannt, der bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet wird. 3,8 Millionen Tonnen BPA werden pro Jahr verarbeitet. Damit gehört BPA zu den am meisten produzierten Chemikalien weltweit.

Polycarbonat-Kunststoff wurde noch vor einigen Jahren gerne für Babyprodukte eingesetzt, da dieser Kunststoff nicht nur glasklar, sondern auch relativ bruchfest ist. Schnuller, Trinkflaschen oder Beißringe, oft war BPA in ihnen enthalten. Zumindest in Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass BPA wie das weibliche Hormon Östrogen wirkt. Ob dies auch auf den Menschen übertragen werden kann, untersucht die Forschung seit Jahren. (vgl. www.kindergesundheit.de). Letzte Klarheit besteht jedoch nicht. Dennoch ist seit 2011 die Produktion und der Verkauf von Babyflaschen aus Polycarbonat in der EU verboten. Obwohl dieses EU-Verbot eigentlich nur für Babyflaschen, nicht aber für Schnuller oder andere Kunststoffprodukte gilt, verzichten immer mehr Hersteller von Baby-Produkten auf die Verwendung von BPA. Die Verpackung ist dann mit „BPA-frei“ oder „BPA-free“ gekennzeichnet.

Zusammenhang von Bisphenol A und MIH unwahrscheinlich

Als Verursacher von Kreidezähne oder rückt Bisphenol A nun aber in den Hintergrund. Mit seiner Mitteilung vom 3. August gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Entwarnung, denn das BfR geht nach Auswertung verschiedener Studien davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen Bisphenol A und MIH nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens unwahrscheinlich ist (vgl. Mitteilung Nr. 025/2018 des BfR vom 3. August 2018). Aber auch wenn BPA Kreidezähne nicht verursacht, empfiehlt es sich, beim Kauf von Baby-Produkten die regelmäßig in den Mund genommen werden, auf die Kennzeichnung „BPA-frei“ zu achten. Bei Babyflaschen hat der Gesetzgeber schon vorgesorgt, denn sie dürfen kein BPA enthalten. Bei Schnullern, Beißringen oder Trinklernbechern müssen Sie selbst tätig werden und die jeweiligen Produktbeschreibungen genau lesen oder entsprechende Symbole beachten.

(Foto: © BillionPhotos.com / Fotolia)

Informationen zu Bisphenol A (BPA)

Bisphenol A (BPA)

Bisphenol A (BPA) oder 4,4´-Isopropylidendiphenol, wird weltweit in großen Mengen produziert und verarbeitet. In vielen Plastikprodukten aus Polycarbonat, aber auch in Epoxidharzen ist es zu finden. BPA wirkt schon in geringen Mengen auf das Hormonsystem von Mensch. Wärme begünstigt die Freisetzung von BPA. Das kann bei in Polycarbonat-Flaschen dazu führen, dass bei warmen oder heißem Füllgut BPA in die Flüssigkeit gelangt. Daher ist seit März 2011 der Einsatz von Bisphenol A bei der Herstellung von Babyflaschen aus Kunstoffen EU-weit verboten, da nicht auszuschließen ist, dass Bisphenol A, besonders beim Erhitzen der Babyflasche, in den Flascheninhalt übertritt. Seit Oktober 2011 ist in Österreich auch die Herstellung und der Vertrieb von Schnullern und Beissringen, die Bisphenol A enthalten, verboten (vgl. Bundesgesetzblatt v. 6. Oktober 2011). Kanada hatte bereits 2008 als erstes Land BPA offiziell als gesundheitsschädlich eingestuft (vgl. Health Canada makes it official: BPA is health hazard).

Das Risiko von Bisphenol A für Mensch und Umwelt wurde im Rahmen des EU-Altstoffprogramms umfassend bewertet und 2003 in einem Stoffbericht zusammengefasst (aktualisiert im Jahre 2008). Im Ergebnis dieser Beurteilung wird zunächst von keinem Risiko Umweltbereich ausgegangen. Es gibt aber Hinweise, dass das Risiko unterschätzt wurde. Trotz vieler Studien bestehen weiterhin Widersprüche und Unsicherheiten in der Bewertung von BPA. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereitet zur Zeit Neubewertung von Bisphenol A vor (vgl. BPA: Plan für erneute EFSA-Bewertung im Jahr 2018 ist fertig).

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