Wurzelamputation: Nur zwei Wurzeln, dennoch vital

Wurzelamputation: Nur zwei Wurzeln, dennoch vital

Wurzelbehandlung mit anschließender Wurzelamputation – weist ein Zahn eine Entzündung auf, gibt es oft keine andere Lösung. Eine Frankfurter Studie prüft nun Alternativen.

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Vitalamputation von Oberkiefermolaren

„Vitalamputation von Oberkiefermolaren mit Furkationsbeteiligung Grad II und/oder III“ – so lautet der, zugegeben etwas schwierige Titel einer Studie der Poliklinik für Parodontologie des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Was kompliziert klingt, könnte für viele Patienten durchaus von Bedeutung sein; denn Parodontale Erkrankungen sind häufig, und oft geht es auch darum, dass mehrwurzelige Zähne nicht gezogen, sondern weiterhin erhalten werden können. Im Mittelpunkt der Frankfurter Studie stehen mehrwurzelige Oberkieferbackenzähne, sogenannte Molaren, bei denen durch die Entzündung der Knochenabbau bis zur Wurzelteilung, der Furkation, fortgeschritten ist.

Durch eine Entzündung ist der Knochenabbau bis zur Wurzelteilung, der Furkation, fortgeschritten. (Grafik: Petsos)

Je nach Ausprägung des Knochenabbaus wird in einem solchen Fall die betroffene Wurzel entfernt, also „amputiert“. Diese durchaus gängige und zahnerhaltende Therapie zielt darauf ab, die durch den Knochenabbau entstandene Nische samt Entzündung zu beseitigen und den ehemals nicht erreichbaren Zahnabschnitt der Mundhygiene über Zahnzwischenraumbürstchen zugänglich zu machen. Vor der Amputation einer Zahnwurzel wird beim klassischen Vorgehen eine Wurzelkanalbehandlung (Endodontie) durchgeführt.

Ist vor jeder Wurzelamputation eine Wurzelkanalbehandlung nötig?

Und genau hier setzt die Studie an. Denn es ist fraglich, ob vor jeder Wurzelamputation auch eine Wurzelkanalbehandlung notwendig sei, die nicht nur mit einem Zeit- und Kostenaufwand, sondern auch mit dem Risiko für Komplikationen verbunden ist. Die beste Lösung wäre also, den betroffenen Zahn lebendig und somit stabil zu erhalten. Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie sollen nun zwei unterschiedliche Therapieverfahren miteinander verglichen werden, die beide vitalerhaltend sind, also ohne eine Wurzelkanalbehandlung auskommen. Daher der Begriff der „Vitalamputation“.

Studie zum Erfolg zwei neuer Methoden

Insgesamt 70 Patienten werden innerhalb der zwölf Monate nach ihrer Behandlung daraufhin untersucht, wie sich die parodontale (Zahnhalteapparat) und endodontische (Zahnnerv) Situation am betroffenen Zahn entwickelt. Methode eins sieht vor, dass die Wurzel unterhalb der Zahnkrone abgetrennt wird, die sehr kleine Fläche des dabei angeschnittenen Zahnnervs wird mit einem für solche Zwecke erprobtem Medikament (Biodentin: Trikalziumsilikat) und einem Füllungsmaterial abgedeckt. Bei Methode zwei wird der Zahn durch die Kaufläche eröffnet und der Zahnnerv im oberen Anteil, der Kronenpulpa, entfernt. Die freiliegenden, in den Wurzeln verbleibenden Nervanteile werden mit demselben Medikament wie in Methode eins abgedeckt und der Zahn mit einem Füllungsmaterial verschlossen. Erst dann wird die entsprechende Wurzel entfernt. Ob der Nerv die Prozedur überstanden hat ohne dabei abzusterben, wird in den Monaten nach der Behandlung immer wieder mittels Kälteempfindung und Stromfluss kontrolliert.

Schematisch Darstellung des klassischen Verfahrens  einer Wurzelamputation  sowie beider im Rahmen der Studie untersuchten Therapieverfahren (Vitalamputation unter Belassen der Kronenpulpa,  bzw. mit Entfernung der Kronenpulpa,).
Schematisch Darstellung des klassischen Verfahrens (Wurzelamputation, links) sowie beider im Rahmen der Studie untersuchten Therapieverfahren (Vitalamputation unter Belassen der Kronenpulpa, mittig, bzw. mit Entfernung der Kronenpulpa, rechts). (Grafik: Petsos)

„Die Ergebnisse unserer Studie werden unter Umständen zu einer veränderten Vorgehensweise führen.“

Studienleiter PD Dr. Hari Petsos

(zpl, Quelle: idw-online)

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